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Tories wittern Morgenluft

Mit dem Streit um den Gesundheitsdienst hat in Großbritannien der Wahlkampf begonnen.

LONDON. In der Chefetage der britischen Konservativen im Abgeordnetenbau Portcullis House liegt Spannung in der Luft. Junge Männer gehen mit federndem Schritt durch den Korridor. Jahrelang wurden die Tories abgeschrieben. Doch nun sehen sie plötzlich wieder eine Chance. Seit einer Umfrage des Mori-Instituts Ende Februar den Labourvorsprung auf zwei Prozentpunkte schrumpfen ließ, ist man sich in Großbritannien nicht mehr ganz so sicher, dass Labours Wahlsieg eine ausgemachte Sache sei.

Zwar steht der Wahltermin nach wie vor nicht fest, doch vieles deutet auf den 5. Mai hin. Der Wahlkampf ist eröffnet. Atemlos kommt Liam Fox, einst Mediziner, nun Chefstratege und Generalsekretär der Konservativen, die Treppe herauf. Ein fester, schottischer Händedruck. „Es wird knapp bei der Wahl“, sagt Fox und spricht von „politischem Nahkampf“. Zum erstenmal müsse Premier Tony Blair bei dieser Wahl seine eigene Regierungsbilanz verteidigen. „Er ist acht Jahre im Amt. Es reicht nicht mehr, dass er frühere Tory Regierungen attackiert, als sei er noch in der Opposition.“

Kurz zuvor hat Tory-Chef Michael Howard die erste Salve abgefeuert. „Warum wurden im letzten Jahr 67 000 Operationen abgesagt, wenn der nationale Gesundheitsdienst (NHS) so viel besser geworden ist, wie Labour behauptet?“ fragte Howard in der Fragestunde des Unterhauses und hielt Blair den Fall der 69-jährigen Rentnerin Margaret Dixon unter die Nase. Siebenmal habe die herzkranke Diabetikerin vor der lebensgefährlichen Operation von ihren Angehörigen Abschied nehmen müssen. Am nächsten Tag drehen Fernsehteams im Wohnzimmer der Rentnerin: „Der NHS mag besser geworden sein“, sagte Mrs. Dixon, „ich habe nichts davon gemerkt.“

Griffig hatte sie damit die zentrale Wahlkampfbotschaft der Tories formuliert: „Viele Wähler merken, wie ihre Steuern steigen, aber sie sehen nicht so recht wofür“, erklärt Fox. „Sie merken nur, wie sich der Staat immer mehr in ihre Entscheidungen einmischt.“ Die Tories sehen Großbritannien unter Labour auf dem Weg zurück in die „Taschengeldgesellschaft“, gegen die Frau Thatcher einst ins Feld zog. Im letzten Jahr stiegen in Großbritannien die Jobs im öffentlichen Dienst, während die im Privatsektor gesunken sind. „Der Teil der Wirtschaft, der Wohlstand verzehrt, wächst. Der, der Wohlstand schafft, schrumpft“, sagt Fox.

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