Illegale Aktivitäten in Deutschland?
Wirbel um Einreise-Verbot für Crédit-Suisse-Mitarbeiter

Hat die Schweizer Großbank Crédit Suisse ihren Kundenberatern verboten, nach Deutschland zu reisen? Das Institut bestreitet das. Doch deutsche Politiker halten das Verbot für durchaus plausibel.
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BerlinDer Steuerstreit zwischen der Schweiz und Deutschland hat für Aufregung bei der Schweizer Großbank Crédit Suisse gesorgt. Dabei ging es um ein Deutschland-Reiseverbot für ihre Kundenberater, das die Bank wieder aktiviert habe. Das im Frühjahr 2010 erstmals eingeführte und vorübergehend aufgehobene Verbot gelte seit dem Sonntag wieder, schrieb zunächst die „Börsen-Zeitung“ ohne Quellen zu nennen. Crédit Suisse wies den Bericht zurück. Banker sprachen von einer fälschlicherweise verschickten E-Mail mit falschem Inhalt als Grund für die Spekulationen.

Deutsche Politiker halten indes ein solches Einreiseverbot für plausibel. „Insoweit es darum geht, dass Schweizer Kundenberater nicht dienstlich nach Deutschland reisen, ist das eine gute Nachricht. Denn die ehrlichen Geschäfte kann die Credit Suisse über ihre deutschen Niederlassungen abwickeln“, sagte der finanzpolitische Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion, Gerhard Schick, Handelsblatt Online. „Wenn zusätzlich beim Schweizer Mutterhaus angestellte Kundenberater im Ausland auftreten, ist das hingegen ein Indiz dafür, dass diese Struktur absichtlich nicht genutzt wird“, vermutet Schick. Ein Grund dafür könnten illegale Aktivitäten sein. „Das war zumindest die Konstellation, mit der Schweizer Banken US-Kunden bei der Steuerhinterziehung geholfen haben.“

Brancheninsider führen die Spekulationen über ein Reiseverbot auch darauf zurück, dass das Risiko, bei Kundenbesuchen „in die Fänge der deutschen Justiz zu geraten, für Schweizer Banker deutlich gestiegen“ sei. Der SPD-Haushälter Carsten Schneider sagte: „Entweder handelt es sich bei dieser Reisewarnung um eine Überreaktion aus unbegründeter Angst vor Aktionen deutscher Steuerbehörden ähnlich denen der Schweizer Behörden oder die Credit Suisse hat ihr Geschäftsmodell immer noch nicht geändert und unterstützt aktiv Steuerhinterziehung in Deutschland.“ Dies wäre allerdings „unverzeihlich“, fügte Schneider hinzu. Der SPD-Politiker forderte das Institut auf, für Klarheit zu sorgen. „Ich erwarte, dass die Bank mit offenen Karten spielt und für Spekulationen keinen Anlass bietet“, sagte er. „Wer sich in Deutschland an die geltenden Gesetze hält, kann hier auch seinen Geschäften nachgehen und hat nichts zu befürchten.“

Die FDP nahm den Vorgang zum Anlass, die SPD scharf zu kritisieren. „Die Maßnahmen (der Credit Suisse; d. Red.) zeigen, dass die SPD zu einem außenpolitischen Sicherheitsrisiko geworden ist“, sagte FDP-Fraktionsvize Volker Wissing Handelsblatt Online. So führt man Deutschland in die Isolation. „Die heutige Anti-Schweiz-Rhetorik der SPD ist die Fortsetzung der Steinbrück'schen Kavallerie-Peitschen-Politik“, kritisierte Wissing weiter. Die aktuellen Probleme müssten daher „schnellstens“ aus der Welt geschafft werden. „Deshalb sollte das Steuerabkommen mit der Schweiz jetzt beschlossen werden, bevor das Verhältnis beider Nationen dauerhaft beschädigt wird.“

Kommentare zu " Illegale Aktivitäten in Deutschland?: Wirbel um Einreise-Verbot für Crédit-Suisse-Mitarbeiter"

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  • "Wirbel um Einreise-Verbot für Crédit-Suisse-Mitarbeiter"

    Dieses ganze Spielchen wurde zwar längst aus dem Kindergartenprogramm gestrichen, erfährt aber bei den "Alten Eseln" eine Wiederbelebung. "Wie Du mir, so ich Dir", könnte man auch erreichen, indem man klarstellt: Entweder die Haftbefehle gegen die Steuerfahnder werden aufgehoben oder die Schweizer Bank-Mitarbeiter werden der Strafverfolgung wegen Anstiftung und Beihilfe zur Steuerhinterziehung zugeführt.
    Wenn ein gut Teil des Staatsvermögens durch Schutz krimineller Aktivitäten im Ausland erwirtschaftet wurde/wird, sollte man die Klappe nicht allzuweit aufreißen und mit dem finger auf Andere zeigen.
    Schweizer Käse ist eine Delikatesse - aber bitte nur auf dem Teller.

  • Meine Symphatie für die SPD war nie so groß wie in dieser Sache!
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    Nun dann Sympathisieren sie mit einem System, dass auch vor Rechtsbeugung nicht zurückschreckt .
    Wenn es diese Reisewarnung wirklich geben sollte , zeigt das doch nur dass man Deutschland diese Eigenschaft der Rechtsbeugung zutraut und auch der tatsächlich verdacht besteht !!!
    Das wär gerade für Deutschland kein guter Leumund , hat es doch bei den Nationalsozialisten genauso angefangen wie bei den Sozialisten heute !
    Die Schnittmengen zwischen Nationalsozialisten und unsern Rot/Grünen werden offen sichtbar und das ist wirklich kein gutes Omen !!!

  • nein,19-35%(vielleicht auch 34%)Pauschalbesteuerung von Altvermögen,Steuersatz abhängig von der Dauer danach zukünftige Abgeltungssteuer auf Erträge.
    Was komisch ist,wer Aktien in der schweiz hält,wird sowieso besteuert,Stichwort quellensteuer=an der Quelle.d.h.wer deutsche aktien hält bekommt schon mal 75% der Ausschüttung.
    Aber siehe Benzinpreis,die Deutsche Regierung besteuert ja auch die Steuer.Mehrwertsteuer auf Ökosteuer

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