Im August werden zu wenige neue Jobs geschaffen
Arbeitsmarkt bleibt Bushs Achillesferse

Für US-Präsident George W. Bush sind die neuen Arbeitsmarktzahlen ein Zeichen der „Stärke“, für seinen Herausforderer John Kerry ein weiterer Beleg dafür, dass Bush in seiner Amtszeit unter dem Strich „nicht einen einzigen Arbeitsplatz geschaffen hat“. Tatsächlich bietet das Beschäftigungsplus von 144 000 Jobs im August beiden Seiten neue Wahlkampfmunition.

NEW YORK. „Es ist eine deutliche Verbesserung gegenüber den Vormonaten, aber immer noch nicht genug, um die Zahl der Arbeitslosen zu drücken“, sagt Mark Zandi, Chefökonom bei der privaten Beratungsgesellschaft Econom.com in West Chester.

Der Zuwachs von fast 150 000 neuen Stellen – die meisten davon im Dienstleistungsbereich – reicht nach Meinung der Experten gerade aus, um die Zahl all derer aufzufangen, die neu auf den Arbeitsmarkt drängen. Die Zahl der Arbeitslosen hat sich denn auch kaum verändert und liegt bei etwa acht Millionen. Dennoch kann Bush mit dem Zuwachs politisch zufrieden sein, zumal die Arbeitslosenquote leicht auf 5,4 Prozent gesunken ist – den niedrigsten Wert seit Oktober 2001. Nach den enttäuschenden Beschäftigungszahlen im Juni und Juli hätte ein erneuter Rückschlag im August Bushs wirtschaftspolitische Bilanz weiter eingetrübt.

Derzeit liegt Bush in Wählerumfragen deutlich vor Kerry. Würde jetzt gewählt, erhielte Bush 52 Prozent der Stimmen, Senator Kerry 41 Prozent, berichtete die Zeitschrift „Newsweek“. Bei den bisherigen Umfragen lagen beide Kandidaten Kopf an Kopf. Nach einer „Time“-Umfrage unter 1 300 Wählern, die während des Parteitags der Republikaner gemacht wurde, vertrauen in der Wirtschaftspolitik heute 47 Prozent Bush mehr, 45 Prozent Kerry.

Wahlentscheidend ist weniger die nationale Arbeitsmarkt-Statistik als vielmehr die konkrete Lage in umkämpften Bundesstaaten wie Ohio. Der Industriestaat hat unter Bush 230 000 Arbeitsplätze verloren, die Arbeitslosenquote liegt mit 5,9 Prozent deutlich über dem Landesdurchschnitt. „Unserer Wirtschaft geht es nicht besonders gut“, sagt Senator Mike DeWine, ein Parteifreund von Bush. Die Wahl werde also sehr knapp ausgehen. Kerry warf Bush auf einer Wahlveranstaltung in Ohio schon vor, die schlechteste Beschäftigungsbilanz seit der großen Depression in den zwanziger Jahren aufzuweisen.

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