Im Falle eines US-Militärschlags

Syrien will sich mit „allen Mitteln“ verteidigen

Ein Militäreinsatz in Syrien wird immer wahrscheinlicher: Washington konkretisiert seine Angriffspläne. Auch das britische Militär bereitet sich auf einen Einsatz vor. Syriens Präsident Assad reagiert prompt.
Update: 27.08.2013 - 13:05 Uhr 37 Kommentare

Syrien: Keine Alternative zur Intervention

WashingtonNach dem mutmaßlichen Giftgaseinsatz im syrischen Bürgerkrieg treiben Großbritannien und die USA Pläne für einen möglichen Militäreinsatz in dem Land voran. Die britischen Streitkräfte bereiteten entsprechende Planungen vor, teilte die Regierung in London am Dienstag mit. Die USA ziehen laut Zeitungsberichten einen zeitlich und räumlich eng begrenzten Einsatz ihrer Armee in Betracht. Russland warnte in scharfen Worten vor einem Militärschlag ohne UN-Mandat. Syrien will sich im Fall eines US-Militärschlags mit „allen zur Verfügung stehenden Mitteln“ verteidigen. Das teilte die Regierung in Damaskus am Dienstag mit.

Die britischen Streitkräfte bereiten nach Angaben der Regierung in London bereits Notfallpläne für einen solchen Militäreinsatz vor. Premierminister David Cameron hat die Abgeordneten des Unterhauses wegen der Situation in Syrien aus der Sommerpause zurückgerufen. Die Regierung diskutiere mit internationalen Partnern über „die richtige Antwort“ auf den mutmaßlichen Chemiewaffeneinsatz in Syrien, sagte der Sprecher weiter. Als Teil der Debatte arbeiteten die Streitkräfte an Plänen für einen möglichen Einsatz.

Nach Informationen der „Washington Post“ will das US-Militär Marschflugkörper von Kriegsschiffen abfeuern oder Langstreckenbomber einsetzen. Im Visier seien militärische Ziele, die aber nicht direkt zum syrischen Chemiewaffen-Programm gehörten.

Mit Blick auf eine mögliche Attacke beantragten die USA die Nutzung von zwei griechischen Militärstützpunkten, wie die Athener Zeitung „Kathimerini“ (Dienstag) unter Berufung auf Regierungskreise berichtete. Im griechischen Luftraum gebe es schon mehr Militärflüge als sonst.

Bei einem Treffen in Jordanien verständigten sich führende Militärs aus zehn westlichen und arabischen Staaten darauf, dass ein möglicher Angriff auf Syrien nur begrenzte Ziele verfolgen sollte. Ein Angehöriger der jordanischen Armee sagte: „Es wurde entschieden, dass begrenzte Raketenangriffe die verantwortungsvollste und nachhaltigste Antwort wären, falls die internationale Gemeinschaft gezwungen werden sollte, in Syrien zu handeln.“

Die Bundesregierung befindet sich nach den Worten von Außenminister Guido Westerwelle (FDP) in enger Abstimmung mit den Verbündeten über ein gemeinsames internationales Vorgehen. Der Einsatz von Giftgas sei ein „zivilisatorisches Verbrechen“, sagte Westerwelle am Dienstag in Berlin. „Wenn sich der Einsatz bestätigen sollte, dann muss die Weltgemeinschaft handeln. Deutschland wird dann zu denen gehören, die Konsequenzen für richtig halten.“ Weiterhin offen ließ er, wie eine deutsche Beteiligung aussehen könnte.

Bundeswehr könnte zwischen die Fronten geraten
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37 Kommentare zu "Im Falle eines US-Militärschlags: Syrien will sich mit „allen Mitteln“ verteidigen"

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  • Es ist noch gar nicht so lange her, da gab es in der Region einen schlimmen Diktator, den es zu beseitigen galt. Ein Kriegsgrund wurde gesucht und man kam darauf, dass der Diktator Massenvernichtungswaffen haben könnte. Unumstößliche Beweise wurden in Aussicht gestellt. Nach einem Angriff mit vielen - auch zivilen- Opfern, konnte man auch nach mehrjähriger Suche keine Massenvernichtungsmittel finden. Diesesmal ist es ein vermuteter Chemiewaffeneinsatz, der als Kriegsgrund herhalten muss, nur die Komision, die das herausfinden soll hat bisher noch nichts finden können. Wie leichtfertig wollen wir den Menschenleben aufs Spiel setzen? Die westliche Welt folgt einem Mann, der ein Konzentrationslager betreibt, seine eigene Bevölkerung stasimäßig ausspioniert und Angriffskriege vorbereitet. Nur die Geschichte wid zeigen köönen wer gut oder Böse ist, ich kann das noch nicht beurteilen. Weil ich das nicht kann, bin ich gegen jedwede Beteiligung an den Vorbereitungen an einem Angriffskrieg. Ich denke wir haben in Deutschland hier auch eine klare Gesetzeslage.

  • die USA, Frankreich und England sind bereit, so wie immer halt, was? geht die Ballerei nicht schnell genug los Herr Netanjahu der das sogar fordert?

  • Die USA fangen wieder das Morden in anderen Ländern an. Obama hat den Friedensnobelpreis verdient! Ich bete für die Syrer!

  • @ Fortunio
    Leider haben Sie mit Ihrer Feststellung Recht; tatsächlich ist die Fortschreibung historischer Fehlleistungen allgegenwärtig und Neuanfänge sind schwer. Analysiert man bestehende Nahost-Probleme, so stößt man auf Großbritanniens tiefe Schuld. Das Land hat seine arabischen Bündnispartner nach dem 1. Weltkrieg schnöde verraten. An die Stelle des zugesicherten zusammenhängenden Lebensraums wurden die zahllosen Kleinstaaten gesetzt, so dass die Verwirklichung des historischen Rechts der Juden nun stets mit im kolonialen Interesse geschaffenen Kleinststaaten kollidiert. Im geschlossenen Siedlungsgebiet hätten dagegen alle Araber guten Lebensraum gefunden, aber die mit der Kleinstaaterei entstandenen überbaulichen Besitzansprüche gäbe es nicht. Es war auch die Kolonialmacht GB, die sich der Wiederansiedelung der Juden vehement widersetzt hatte. So mussten sich die ersten Siedler zunächst gegen die Briten durchsetzen. In mehreren Beiträgen hatte ich mich für die Entwicklung der Türkei zur regionalen Ordnungsmacht ausgesprochen und gehofft, dass damit die unnatürliche und willkürliche Zerstückelung der Region überwunden wird. Gemäß meinem laienhaften Empfinden wäre die Revision der britischen Teile-und Herrsche-Territorialgliederung eine entscheidende Voraussetzung für dauerhaften Frieden, denn Platz ist für alle hinreichend da. Aber diese Vorstellung ist illusionär – Ihr Hinweis auf die Verwurzelung schlechter politischer Traditionen erklärt, warum das so ist.


  • +++ 13:58 Britische Abgeordnete müssen Urlaub beenden +++
    Die britische Regierung ruft die Abgeordneten des Unterhauses aus der Sommerpause zurück. Das teilt die Downing Street mit.
    Die Parlamentarier werden an diesem Donnerstag zu einer Dringlichkeitssitzung zusammenkommen, um über eine britische Beteiligung an einem möglichen Militärschlag gegen Syriens Machthaber Baschar al-Assad zu diskutieren.
    Die parlamentarische Sommerpause wäre normalerweise am nächsten Montag zu Ende gegangen.

    +++ 14:06 Briten stimmen am Donnerstag ab +++
    Der britische Premierminister David Cameron setzt eine Sondersitzung des Parlaments an. Das Unterhaus werde am Donnerstag über die Antwort Großbritanniens auf den Chemiewaffeneinsatz abstimmen, erklärte Cameron über den Kurznachrichtendienst Twitter.

  • @RBern: wenn man Schauerromantik mag...

  • Hallo,
    ständig plappern Leute vermeintlich erwiesene Dinge nach, um die Destabilisierung und nun einen Angriffskrieg gegen ein souveränes Land zu rechtfertigen. Nicht ein einziger Beweis wurde erbracht, der es rechtfertigen würde, in irgendeiner Form Einmischung zu betreiben. Die Dummheit dieser Schreiberlinge ist leider beispielhaft. Fangt doch mal an echte Lehren zu ziehen!!! Korea, Vietnam, Palestina, Irak, Irak, usw. usw. Den meißten Menschen dürfte klar sein, das diese Ereignisse immer auf einem Fundament von Lügen aufgebaut waren. Nichts desto Trotz, machen sich wieder alle schuldig am Mord unschuldiger.

  • Inzwischen sprechen sich sogar 82 Prozent gegen einen Militärschlag aus

  • @günther schemutat
    Ein sehr interessant zu lesender Kommentar!

  • Die "Rebellen" behindern die UN-Inspektionen (warum wohl?)

    +++ 13:00 UN-Inspekteure dürfen frühestens am Mittwoch weiterarbeiten +++

    Die Fortsetzung der Untersuchung des mutmaßlichen Giftgaseinsatzes durch UN-Inspektoren wird auf Mittwoch verschoben. Die syrische Regierung gibt den Rebellen die Schuld an der Verzögerung. Die Inspektoren hätten sich nicht vor Ort begeben können, "weil die Rebellen sich nicht auf Garantien für die Sicherheit der Mission einigen konnten", heißt es aus Damaskus.


    +++ 12:30 Italien sagt Nein zum Militäreinsatz +++
    Italien wird bei einem möglichen militärischen Eingreifen in Syrien ohne Mandat des Weltsicherheitsrates nicht mitmachen. Das sagt Außenministerin Emma Bonino in Rom. Sie hatte bereits am Montag vor einer übereilten Intervention gewarnt. Eine Alternative sieht Bonino darin, den syrischen Präsidenten Assad vor den Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag zu bringen.


    +++ 13:10 n-tv.de-Leser gegen Militäreinsatz in Syrien +++
    Die Mehrheit der n-tv.de-Leser lehnt einen Militärschlag gegen das Regime in Syrien ab.
    Von den knapp 10000 Bürgern, die bis zum Mittag an der Umfrage teilgenommen haben, meinen nur 34 Prozent, der Westen solle jetzt militärisch in Syrien intervenieren. 66 Prozent sprechen sich dagegen aus.

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