Im Irak getöteter US-Journalist Foley
„Wir sind nie stolzer auf Jim gewesen“

Immer wieder geraten Journalisten in gewaltsamen Konflikten zwischen die Fronten. So auch im Irak – dort wurde der US-Journalist James Foley auf grausame Weise ermordet. Wer war der Mann, um den die USA trauern?
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DüsseldorfEs sind schreckliche Bilder, die derzeit um die Welt gehen. Ein schwarz gekleideter und vermummter Kämpfer, mutmaßlich von der Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) im Irak, steht neben einem Mann, der im Wüstensand kniet. Der Terrorist hält ein Messer in seiner Hand. Kurze Zeit später schneidet er seiner Geisel den Hals auf.

Bei dem Toten handelt es sich wahrscheinlich um James Foley. Der US-Journalist wurde seit dem 22. November 2012 vermisst. Damals war der Fotograf, der als freier Journalist für die Nachrichtenagentur AFP und die Bostoner Medienfirma „GlobalPost“ arbeitete, auf dem Weg von Syrien in die Türkei entführt worden, als er mit seinem Dolmetscher einen Zwischenstopp einem Internetcafé einlegte. So heißt es im Fahndungsaufruf des FBI, der am Mittwochnachmittag noch online war. Der Übersetzer wurde bald freigelassen, von Foley fehlte seitdem jedes Lebenszeichen.  

James Foley wuchs in Rochester, New Hampshire, auf. Er ist das älteste Sohn von Diane und John Foley und hatte vier jüngere Geschwister. Nach der Schule studierte er Geschichte an der „Marquette University“ in Milwaukee und machte seinen Master in kreativen Schreiben an der Universität von Massachusetts. Ab 1996 unterrichtete er in Phoenix sozial benachteiligte Kinder. Später brachte er den Insassen eines „Bootcamps“ in Chicago Lesen und Schreiben bei. Dort werden jugendliche Straftäter und drogensüchtige und verhaltensauffällige Heranwachsende mit militärischem Drill „umerzogen“.

Dann entschied sich Foley für den Beruf des Journalisten. Mitte der 2000er Jahre schrieb er sich an der Medill School of Journalism der Northwestern University ein. Anschließend begleitete er amerikanische Soldaten im Irak und Afghanistan.

In dieser Zeit begann Foley für seinen Blog zu schreiben, über humanitäre Hilfe während Kriege. Dem Journalisten war es wichtig, vor Ort von den Krisen dieser Welt zu berichten. „Ohne die Bilder der Kriege ist es unmöglich, den Menschen zu zeigen wie es wirklich aussieht“, sagte Foley einmal. Von seinen Kollegen wird er als mutig, großzügig und warmherzig beschrieben. Ein Freund Foleys, Max Fisher, bewunderte ihn für „ seine Hingabe bei der Suche nach der Wahrheit“, heißt es beim US-Nachrichtensender CNN.

Foley wurde 40 Jahre alt. Die Echtheit des vom IS veröffentlichten Hinrichtungsvideo konnte bislang noch nicht von unabhängigen Stellen bestätigt werden. Allerdings identifizierte Foleys Mutter den Toten auf dem Video bereits als ihren Sohn. „Wir sind niemals stolzer auf unseren Sohn Jim gewesen“, schreibt Mutter Diane auf der Facebook-Seite „Find James Foley“. „Wir flehen die Kidnapper an, das Leben der restlichen Geiseln zu verschonen. Wie Jim sind auch sie Unschuldige“. James sei ein „außergewöhnlicher Sohn, Bruder, Journalist und Mensch“ gewesen.

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„Wir sind nie stolzer auf Jim gewesen“

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Erinnerung an den Mord an Daniel Pearl

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  • Ist Herr Wulff jetzt Stolz, wo seine Freunde "Erfolg" hatten? Er, Hr. Wulff, bekämpfte auch den freien Journalismus.

  • Die Bilder und Berichte werden äußerst gut bezahlt. Das macht niemand aus Menschenliebe.

    und - es macht die Welt nicht besser wenn man all diese Bilder und Nachrichten ins "traute Heim" geliefert bekommt. so mancher Krieg der Neuzeit wäre gar nicht entstanden wenn nicht Hinz und Kunz alles aus aller Welt erfahren würde.

    In der Ukraine wäre wahrscheinlich Ruhe. Und ohne Massenmedien wäre die USA wohl nie in den Irak einmaschiert - dann herrschte dort heute noch eine "trügerische" Ruhe.

    Ohne das Massenmedum Internet hätte es diesen einen Mord vielleicht gar nicht gegeben - denn die Terroristen hätten keine Plattform für die Veröffentlichung - ausser ein paar Journalisten hätten es als ihre Pflicht betrachtet es zu veröffentlichen.

    PS:
    evtl. haben auch IS-Kämpfer Kinder - die unschuldig aber Angehörige sind?

  • 2. Korrektur

    Der Mann ist ermordet worden, weil er amerikanischer Journalist war. Nix mit Land und Glauben, oder vielleicht doch.

    Es ist schon interessant, wie friedfertig gewisse Teile des Islams sind.

    Schönen Abend noch.

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