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16.07.2007 

Wer nach seinen vier Jahren Studium nahtlos in seine Firma eintritt, wird ein „Gesellschaftsmensch“. Für den gibt es deutlich mehr Fallstricke und Fettnäpfchen. Shiroto-san hat mir ein Buch gegeben: ein Handbuch des Sprachgebrauchs in der Firma – für junge Japaner vor dem Berufseinstieg. Es enthält den richtigen Gebrauch der Höflichkeitssprache gegenüber Chefs, Gleichgestellten und Kunden in übersichtlichen Tabellen und Beispieldialogen.

Jetzt habe ich es also mit dieser Welt der Profis zu tun, und die hat ihre eigenen Spielregeln. Ich meine nicht nur die kleinen Rituale wie die korrekte Übergabe der Visitenkarte mit den Worten „Ich möchte Sie darum bitten, mir künftig wohlgesinnt zu sein.“ Für den Reporter spielen vor allem die Unterschiede im Umgang der Behörden und Unternehmen mit der Presse eine Rolle. Der Journalist tritt in Japan viel stärker als Bittsteller auf. Auf Pressekonferenzen leiten einheimische Kollegen eine Frage oft mit den Worten ein: „Das klingt jetzt unter Umständen ein wenig kritisch, bitte entschuldigen Sie vielmals, aber was ich gern noch einmal hören möchte, wäre …“

Ein Großunternehmen bestellte mich im Laufe einer Recherche zweimal in seine Pressestelle ein, wo mir die Mitarbeiter detaillierte Analysen meiner Anfragen vorlegten, Übersetzungen von Handelsblatt-Artikeln ins Japanische zur Hand hatten und mich darauf aufmerksam machten, wenn sich der Schwerpunkt meiner Recherche auch nur ein wenig verschob.

Eisbrecher für ein etwas unkomplizierteres, herzlicheres Verhältnis ist wie so oft ein Besuch in der Kneipe. Die „Sake-Läden“ oder Izakayas sind nach verbreiteter Meinung enorm wichtig für das japanische Wirtschaftsleben. Es gibt sie in Varianten von altertümlich bis kühl-modern, doch meistens überwiegt warmes Holz. Am Anfang trinken die Gäste eher Bier, später Reiswein, dann Reisbranntwein. Es gibt Izakayas im westlichen Stil mit Tischen und Stühlen, doch häufig müssen die Gäste die Schuhe ausziehen und hocken auf Reisstroh-Matten um niedrige Tische. Ein Kneipengang mit Geschäftsleuten dauert nicht so lange – in der Regel nicht mehr als zwei Stunden. Wer will, kann dann nach Hause gehen. Wer Lust hat, zieht weiter in den nächsten „Sake-Laden“.

Shiroto-san macht an einem Abend gern auch noch eine dritte oder vierte Runde. Er arbeitet in der IT-Industrie im Vertrieb und hat Kontakte zu den Kunden des Unternehmens. Solche Beziehungen wollen mit reichlich Alkohol begossen sein.

Eine Geschäftsbeziehung anzubahnen bedeutet, viel Geduld aufzubringen, erzählt er. Die Kunden erwarten maximale Sorgfalt bei den Antworten auf ihre Fragen, beim Umgang mit ihren Sorgen. Ein Manager sollte sich bei einem Problem seines Kunden nie auf den Standpunkt stellen: Lieber Kunde, ich bin hier nur angestellt, und wenn du beispielsweise die Anleitung beachtet hättest, die ich dir mitgegeben habe, wäre das Problem nie aufgetaucht.

Lesen Sie weiter auf Seite 3: In den USA gibt es Produkthaftungsklagen. Japans Gegenstück ist gesellschaftliche Ächtung .

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