Im Olympiajahr
Viele Tote bei Unruhen in Tibet

Bei den schwersten Unruhen in Tibet seit 20 Jahren wurden zahlreiche Menschen getötet. Während nach amtlichen chinesischen Angaben am Freitag mindestens zehn Menschen ums Leben gekommen sind, spricht die tibetische Exilregierung von rund 100 Toten. Fünf Monate vor Beginn der Olympischen Sommerspiele in Peking gewinnt der Konflikt eine hohe Brisanz.

HB PEKING/DHARMSALA. In einer in Dharmsala veröffentlichten Erklärung berief sich die tibetische Exilregierung auf „unbetätigte Kreise“. Es wurden keine Details über die Zusammenstöße vor allem in der tibetischen Hauptstadt Lhasa genannt. Nach chinesischen Berichten sind Demonstrationen buddhistischer Mönche zum Jahrestag der Niederschlagung des Aufstandes der tibetischen Bevölkerung gegen die chinesische Herrschaft 1959 in Gewalt umgeschlagen.

China will die Unruhen mit Härte unterdrücken. Das kündigte der von China bestellte Vorsitzende der Regierung der autonomen Region Tibet, Champa Phuntsok, in Peking an. Die Behörden in Tibet gaben den Demonstranten die Schuld am Tod „unschuldiger Menschen“. Sie hätten Sicherheitskräfte umzingelt und auf sie eingeprügelt. Phuntsok sagte am Rande des Volkskongresses in Peking: „Wir haben nicht das Feuer eröffnet. Wir werden aber hart mit diesen Kriminellen umgehen, die diese Aktivitäten zur Spaltung der Nation ausführen. Dieser Plan ist zum Scheitern verurteilt.“

Allen Demonstranten, die sich bis Dienstag stellen, wurden mildernde Umstände in Aussicht gestellt. Die Proteste in der tibetischen Hauptstadt hätten zu Plünderungen, Mord und Brandstiftung an Regierungsgebäuden, Schulen, Krankenhäusern, Geschäften und Wohnhäusern geführt, hieß es in einer Erklärung von Hohem Gericht, Staatsanwaltschaft und Polizei in Tibet.

Das chinesische Staatsfernsehen hat erstmals Bilder von den schweren Ausschreitungen gezeigt. Die Aufnahmen zeigten randalierende Tibeter, die Autos umstürzten, Geschäfte angriffen oder versuchten, heruntergelassene Läden oder Gitter aufzubrechen. Von mehreren Bränden hing Rauch über der tibetischen Hauptstadt. Die Nachrichtensprecherin verlas einen Text der amtlichen Nachrichtenagentur Xinhua, den auch die staatlich kontrollierten Zeitungen gedruckt hatten. Darin hieß es, dass es durch „eine kleine Gruppe von Leuten in Lhasa“ zu Zerstörungen, Schlägereien und Plünderungen gekommen sei. Sie hätten die öffentliche Ordnung gestört und die Sicherheit der Menschen gefährdet.

„Wir haben genug Beweise, dass diese Aktion eine politische Verschwörung ist, die von der Clique des Dalai Lamas geplant worden ist“, las die Sprecherin weiter vor. Die Sicherheitsbehörden seien völlig in der Lage, die soziale Stabilität und die Sicherheit der Menschen in Tibet zu wahren. Die Verschwörung sei „zum Scheitern verurteilt“.

Nach den gewaltsamen Auseinandersetzungen wurden in Lhasa die Sicherheitsvorkehrungen weiter verschärft. Aus Tibet in der nepalesischen Hauptstadt Kathmandu eintreffende Touristen berichteten von zahlreichen patrouillierenden Truppentransportern und Panzern in Lhasa. Ein niederländischer Tourist sagte der Nachrichtenagentur AFP, ihr tibetischer Fremdenführer habe von mindestens zwanzig Toten gesprochen.

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