Im Präsidentschaftswahlkampf greifen sich die Kandidaten gegenseitig via Bildschirm an
Bush kämpft um die TV-Hoheit

Die Kamera zeigt zwei Frauen, danach eine Hand, die vermutlich ein Steuerformular ausfüllt. Blitzschnell rückt ein Mann mit Gasmaske ins Blickfeld, kurz darauf ein Araber. Die Bildschnitte sind schnell und verbreiten eine Stimmung von Hektik und Unsicherheit. „Ein Präsident legt seine Agenda für Amerika vor“, sagt eine Frauenstimme im Hintergrund. „John Kerrys Plan: neue Regierungsausgaben, Steuererhöhungen von mindestens 900 Milliarden Dollar.“

WASHINGTON. Dann kommen Vorwürfe, dass der demokratische Präsidentschaftskandidat die Verteidigung Amerikas verzögern will, bis die Uno ihren Segen gibt. Und schließlich, stakkatohaft, das Schlussurteil: „John Kerry – falsch bei Steuern, falsch bei der Verteidigung.“

Knapp acht Monate vor der Präsidentschaftswahl in den USA hat die Propagandaschlacht zwischen Amtsinhaber George W. Bush und seinem demokratischen Herausforderer begonnen. In 18 Bundesstaaten eröffnet das Lager des Präsidenten derzeit ein Trommelfeuer negativer Fernsehspots gegen Kerry. Die Botschaften sind holzschnittartig bis grobschlächtig – und nicht immer durch Fakten gedeckt. So hat der Oppositionskandidat an keiner Stelle angekündigt, die Steuern um 900 Milliarden Dollar erhöhen zu wollen. Die Republikaner haben einfach die Kosten für den von Kerry geplanten Ausbau des Krankenversicherungssystems genommen und höhere Abgaben unterstellt.

„Bush wurde bei den Vorwahlen frontal attackiert: Er muss jetzt zurückschlagen“, betont Fred Meyer, ehemaliger Chef der Republikaner in Texas. Während Kerry sich außergewöhnlich früh als Speerspitze der Demokraten profiliert hat, sackte der Amtsinhaber in den Meinungsumfragen ab. Nun versuchen Bushs publizistische Sturmtruppen, Kerry ein negatives Image zu verpassen. „Der Senator von Massachusetts löst bei einer Mehrheit von US-Bürgern eine positive Grundstimmung aus – aber viele wissen noch nicht, wer er wirklich ist“, unterstreicht die Meinungsforscherin Karlyn Bowman vom American Enterprise Institute, einer regierungsnahen Denkfabrik in Washington. Dieses Vakuum will die Propagandamaschinerie des Präsidenten in den kommenden Wochen ausfüllen.

Die Bush-Familie kann sich dabei auf ihre reichhaltige Erfahrung stützen. Im Präsidentschaftswahlkampf des Jahres 1988 stellte Bush senior seinen demokratischen Gegenkandidaten Michael Dukakis als „Linken aus Massachusetts“ hin – mit durchschlagendem Erfolg. Und bei den Gouverneurswahlen in Texas gewann der Herausforderer Bush junior 1994 gegen die Amtsinhaberin Ann Richards, weil er diese zuvor als „außerhalb von der Mitte“ stehend gebrandmarkt hatte.

Seite 1:

Bush kämpft um die TV-Hoheit

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%