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63-Jähriger soll dem Irak Hoffnung geben

Der neue Chef des irakischen Parlaments gilt als einer der schärfsten Kritiker Premierministers Nuri al-Maliki. Dennoch verbinden sich mit dem 63-Jährigen Hoffnungen auf ein Ende der seit langem herrschenden Polit-Blockade, denn mit Al-Sammarai wird die größte Sunnitengruppe eingebunden.

Paradoxe Welt in Bagdad: Der gerade gewählte neue Chef des irakischen Parlaments gilt als einer der schärfsten Kritiker Premierministers Nuri al-Maliki. Und dennoch verbinden sich mit ihm Hoffnungen auf einen Durchbruch der seit Monaten vorherrschenden Polit-Blockade. Denn nach der Wahl von Ayad al-Sammarai soll nun von den Volksvertretern schnell eine Reihe von Gesetzesentwürfen beschlossen werden, die lange auf Eis liegen, aber für das politische und wirtschaftliche Vorankommen des Zweistromlandes dringend nötig sind.

Vor allem auf die Verabschiedung des Ölgesetzes wird seit langem gewartet, um die Produktion in dem Land mit den weltweit drittgrößten Rohölvorkommen deutlich zu steigern. Bisher fehlt der rechtliche Rahmen, um Auslandsinvestoren und lokale Firmen umfassend in die Förderung investieren zu lassen - die Tagesproduktion liegt deshalb mit 2,4 Mio. Barrel (je 159 Liter) weit von dem von Ölminister Hussein al-Shahristani formulierten Sechs-Millionen-Fass-Ziel.

Der 63-jährige Sammarai, bislang Vorsitzender des Finanzausschusses des Bagdader Parlaments, wird nun der drittmächtigste Mann im Staate nach Präsident Jalal Talabani und Premier Maliki. Der sunnitische Moslem bekam das Amt nach einer seit dem Sturz des Diktators Saddam Hussein geltenden Vereinbarung, nach der der Präsident Kurde und der Regierungschef Schiit ist. Der studierte Ingenieur Sammarai war in den 80er-Jahren unter Saddam aus dem Irak geflohen. Seit dem US-Einmarsch hat er immer wieder Washington gerügt und Iraks Premier.

Dennoch sei die Wahl Sammarais "Malikis bester Schutzschirm", sagt der syrische Nahost-Analyst Sami Moubayed. Denn mit der sunnitischen Eintrachts-Front werde die größte Sunniten-Gruppe eingebunden. Die Sunniten spielten unter Saddam die vorherrschende Rolle im Irak, seit seinem Sturz aber wurden die Kurden immer eigenständiger und die Bevölkerungsmehrheit der Schiiten immer mächtiger.

Der Hamburger ist nach Stationen als Auslandskorrespondent in Moskau, Brüssel und Warschau jetzt Auslandschef des Handelsblatts. Er interessiert sich besonders für Osteuropa, die arabische Welt und Iran.
Mathias Brüggmann
Handelsblatt / Korrespondent
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