Im Profil: Alexander Italianer
Kenner der Brüsseler Winkelzüge

Kartellsünder und Subventionsempfänger werden den Niederländer mit dem südländisch anmutenden Namen bald besser kennenlernen. Anfang 2010 wird Alexander Italianer die EU-Generaldirektion Wettbewerb leiten. Damit steigt der Ökonom zu einem der mächtigsten Leute in der Europapolitik auf.
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HB. Eine alte Stadtansicht von Amsterdam ziert die Wand hinter dem Schreibtisch. Daneben hängt ein historischer Stich der niederländischen Ständeversammlung. Das Büro lässt keinen Zweifel über die Nationalität seines Besitzers – auch wenn sein Name irreführenderweise südländisch klingt: Alexander Italianer. Kartellsünder und Subventionsempfänger werden den Niederländer bald besser kennenlernen. Denn der 53-jährige schlacksige Spitzenbeamte wird künftig die EU-Generaldirektion Wettbewerb leiten – und gehört dann zu den mächtigsten Leuten des europapolitischen Betriebs.

Der promovierte Ökonom erreicht damit den Höhepunkt einer exemplarischen Beamtenkarriere, die 1985 mit dem Eintritt in die EU-Kommission begann. Seitdem hat Italianer so ziemlich alles gemacht in der Brüsseler Behörde. In den 80er Jahren saß er bei den Verhandlungen über die Europäische Währungsunion mit am Tisch – und schwärmt seitdem von Helmut Kohl und seinem europapolitischen Instinkt. In den 90ern war Italianer dann an den Vorbereitungen der Osterweiterung beteiligt. Zwei EU-Kommissions-Chefs beriefen ihn in ihren Beraterstab: Jacques Santer und José Manuel Barroso. Letzterer beförderte ihn 2006 zum Vize-Verwaltungsschef der Kommission. Seitdem kümmert er sich um Bürokratieabbau, wobei er der deutschen Wirtschaft positiv auffiel. Der Mann kenne die Winkelzüge der Eurokratie wie kaum ein zweiter, heißt es in Brüsseler Unternehmensverbänden.

Als Kabinettsmitglied von Santer und Barroso hatte Italianer aus der Vogelperspektive auch Einblick in seine neue Wirkungsstätte. Direkt tätig für die Generaldirektion (GD) Wettbewerb war er allerdings noch nie. Da trifft es sich gut, dass ihm mehr Zeit als geplant bleibt, um sich auf die neue Aufgabe vorzubereiten. Eigentlich sollte er schon zum 1. November bei der GD Wettbewerb antreten - zeitgleich mit der neuen EU-Kommission. Doch wegen des Gerangels um den EU-Reformvertrag von Lissabon verzögert sich die Ankunft der neuen Kommission nun bis Januar oder Februar. Deshalb muss sich Italianer nun in der wichtigsten Eurokraten-Tugend üben: Geduld.

Ruth Berschens leitet das Korrespondenten-Büro in Brüssel.
Ruth Berschens
Handelsblatt / Büroleiterin Brüssel

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