Im Profil: Andrus Ansip
Estlands Premier - ein Bremser vor dem Herrn

Die globale Finanzkrise könnte bald ihr nächstes politisches Opfer fordern: Andrus Ansip, der liberale Regierungschef des kleinen Estlands, will eigentlich gegen die Misere ansparen – doch sein sozialdemokratischer Koalitionspartner macht nicht mit. Ansip ist überzeugt: Nur eine restriktive Ausgabenpolitik kann sein Land vor dem Bankrott retten.

HB. Drei Minister warf Ansip aus dem Kabinett, weil sie sich dem Einfrieren des Arbeitslosengeldes verweigern und statt dessen eine Erhöhung fordern. Damit droht der 52-jährige Diplom-Chemiker nun selbst Opfer der Krise zu werden. Noch ist nicht klar, ob der seit 2005 amtierende Regierungschef eine neue, stabile Regierung bilden kann.

Die wäre jetzt besonders notwendig, denn Estland kämpft wie seine baltischen Nachbarn Lettland und Litauen mit der tiefsten Rezession seit der Unabhängigkeit von der Sowjetunion 1991. Der einstige Wachstumsspitzenreiter der EU hatte seinen Wirtschaftsboom mit Krediten finanziert. Mit der Finanzkrise brach das wackelige Kartenhaus zusammen. Ansip will jetzt versuchen, mit einer Minderheitsregierung unter Tolerierung der Grünen weiterzumachen oder mit der bäuerlichen Volksunion einen neuen Koalitionspartner aufzunehmen. Anders als Lettland hat Estland den IWF nicht um Hilfe gebeten. Als Ex-Vorstandsmitglied der Bank Rahvapank und Ex-Wirtschaftsminister weiß Ansip aber selbst, dass nur eine restriktive Ausgabenpolitik sein kleines Land vor dem Bankrott retten kann.

Helmut Steuer berichtet für das Handelsblatt aus Skandinavien. Regelmäßig ist er auch in der Ukraine unterwegs.
Helmut Steuer
Handelsblatt / Korrespondent
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