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Arkadij Dworkowitsch: Putins rätselhafter Sausewind

Der Wirtschaftsberater von Präsident Dmitrij Medwedjew hetzt derzeit von Termin zu Termin. Der 36-Jährige ist nicht nur einer der wichtigsten Strategen des Präsidenten im Kampf gegen die Wirtschaftskrise, er koordiniert auch als so genannter „Scherpa“ Russlands Positionen in der G8 und G20.

Es vergeht kaum ein Tag, an dem es nicht ein Zitat von Arkadij Dworkowitsch gibt: Sei es zu den überfälligen Krediten russischer Häuslebauer („steigen“), Bürokratie („Russlands größte Bürde“) oder der Ölproduktion („kein Problem“) – der schmale Wirtschaftsberater von Präsident Dmitrij Medwedjew hetzt von Termin zu Termin.

Der 36-Jährige, dessen Gesicht eher zu einem Mittzwanziger passt, ist nicht nur einer der wichtigsten Strategen des Präsidenten im Kampf gegen die schwerste Wirtschaftskrise, die das Land seit dem Finanzkollaps 1998 erfasst hat, er koordiniert als so genannter „Scherpa“ Russlands Positionen in der G8 und G20. Ein Termin bei ihm? Derzeit nahezu unmöglich.

Sein Weg in die Politik lässt sich getrost als Turbo-Karriere bezeichnen: Mit 22 Jahren ist der Sohn eines Schachgroßmeisters und studierte Ökonom mit Abschluss in Wirtschaftskybernetik Berater im Finanzministerium, bald darauf Leiter des Expertenstabs. Unter Präsident Putin wechselt er ins Wirtschaftsministerium, wird zum Stellvertreter des Ministers. Putin holt ihn in den Kreml, macht ihn zum Chef des Expertenstabs.

Dworkowitsch gilt als Liberaler. Die US-Zeitschrift „Business Week“ kürte ihn zu einem der „Stars Europas“, weil er als einer der Drehbuchschreiber der Wirtschaftsreformen in Putins erster Amtszeit galt – bevor der sein Herz für die Staatswirtschaft entdeckte.

Später noch hält Putin an Dworkowitsch fest. Er darf in Interviews die Eingriffe des Staates in die Wirtschaft geißeln: Den massiven Ausbau der Staatskorporationen in Putins letztem Amtsjahr als Präsident kritisierte er als „Weg ins Nullwachstum“. Beobachter in Moskau rätseln, in welches Lager Dworkowitsch gehört: Mal wird er Medwedjew zugerechnet, mal Putin.

Administrations- und Managementgeschick sind ihm nicht in die Wiege gelegt – persönlich sei er mehr der Typ „zerstreuter Professor“, der gerne mal seinen Reisepass verlegt und auf Reisen die Oberhemden vergisst, wird sich in Moskau erzählt.

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