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Avigdor Lieberman: Vom Rambo zum Diplomaten?

Er sorgt für Entrüstung auf der internationalen Bühne – und das bereits vor seinem Amtsantritt: Avigdor Lieberman soll Israels neuer Außenminister werden. Bisher setzte der radikale Likud-Politiker auf Säbelrasseln. Warum er sich jetzt gemäßigt gibt.

Diplomatische Zurückhaltung ist eigentlich nicht Avigdor Liebermans Ding. Er setzt auf Drohungen und Säbelrasseln. Bisher gehörten Bomben auf Kairo, den Assuan-Staudamm oder auf palästinensische Geschäftszentren zum rhetorischen Arsenal seiner Außenpolitik. Und dennoch will der designierte israelische Premier Benjamin Netanjahu ihm das Außenministerium anvertrauen.

Auch innenpolitisch sorgte Lieberman mit kraftmeierischen Forderungen für Angst. Von der palästinensischen Minderheit in Israel sollte ein Loyalitätsschwur verlangt werden, sagte er im Wahlkampf. Und die israelischen Gebiete, in denen viele Araber wohnen, würde er am liebsten an den künftigen palästinensischen Staat abtreten – zusammen mit den Arabern. Im Gegenzug sollte sich Israel größere Siedlungsblöcke einverleiben.

1958 in Moldawien geboren und als 20-Jähriger nach Israel ausgewandert, schrieb Lieberman sich bald an der Hebräischen Universität für politische Wissenschaften ein. Gleichzeitig schloss er sich einer Studentenpartei an, die mit dem Likud verbunden war. Mit dem Diplom in der Tasche trat er dem Likud bei, unterstützte vorübergehend auch die radikale Kach-Partei, die inzwischen illegal ist.

Mit Netanjahu ist er sich zwar in entscheidenden Sicherheitsfragen einig. Trotzdem hätte der designierte Premier eine Koalition mit der Kadima-Partei von Zipi Liwni vorgezogen. Ein Bündnis mit vergleichsweise moderaten Kräften hätte es auf internationaler Ebene leichter gehabt als die Koalition mit mehreren Rechtsaußen- und orthodoxen Parteien, vor deren Hintergrund Lieberman schon fast gemäßigt erscheint.

Denn von zentralen Wahlkampfforderungen ist er bereits abgewichen. Er verzichtete im Koalitionsvertrag auf den umstrittenen Loyalitätsschwur, auf die Einführung eines Gesetzes, das zivile Ehen ermöglichen würde, sowie auf eine radikale Reform des Regierungssystems. Und schon fragt man sich in Jerusalem: Mutiert Lieberman vom Rambo zum Diplomaten, der es versteht, sanft zu siegen?

Möglicherweise wird Lieberman nicht genügend Zeit haben, um die neue Verantwortung zu verinnerlichen. Denn seit Jahren ermittelt die Polizei wegen des Verdachts auf Korruption, Betrug, Geldwäsche und Untreue gegen ihn. In den nächsten Tagen will sie ihn verhören. Sollte er angeklagt werden, müsste sich Netanjahu bald schon einen Außenminister suchen.

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