Im Profil
Bei jeder Krise zur Stelle

Guido Bertolaso ist ein Krisenprofi. Wenn in Italien die Erde bebt oder ein Zug entgleist ist er zur Stelle. Jetzt hat der Chef der Zivilschutzbehörde wieder viel zu tun. Wie er beim G8-Gipfel dafür sorgt, dass alles sicher über die Bühne geht.

Ob das Zugunglück in Viareggio, Neapels Müllnotstand, die Papst-Beerdigung oder das Erdbeben in den Abruzzen. Wenn es in Italien brennt, ist einer sofort zur Stelle: der Chef des Zivilschutzes, Guido Bertolaso. Bei den wichtigen Pressekonferenzen sitzt der Notstandsmanager stets neben Premier Silvio Berlusconi auf dem Podium. So auch auf dem MSC-Kreuzfahrtschiff, auf dem beide jüngst ihre Pläne für den G8-Gipfel in L’Aquila präsentierten.

Aber es ist nicht etwa Bertolaso, der sich im Lichte des Premiers sonnt. Vielmehr ist es Berlusconi, der von der nüchternen Glaubwürdigkeit des Krisenprofis profitiert. Um sich selbst als Macher darzustellen, holt sich Berlusconi Bertolaso an seine Seite. Dabei könnten die beiden kaum unterschiedlicher sein: Auf der einen Seite der geliftete 72-jährige Premier mit den unnatürlich dunklen Haaren in Anzug und Krawatte – ein Mann der großen Worte und markigen Sprüche. Auf der anderen Seite der ergraute 59-jährige Bertolaso, im blauen Polohemd des Zivilschutzes – ein Mann der leisen Töne und der großen Taten.

Der drahtige, gelernte Tropenarzt, der in Afrika Tropenkrankheiten erforschte und in Kriegsgebieten Klinken baute, ist nicht auf Wirkung aus – und wirkt gerade deshalb umso mehr. Es gibt wohl kaum einen Italiener, der den Chef des Zivilschutzes nicht kennt. Lob kommt aus dem rechten wie dem linken Lager. Schon Romano Prodi hatte Bertolaso 1996 für zwei Jahre als Chef des Zivilschutzes nach Rom geholt. 2001 kehrte er zurück, und Berlusconi beförderte ihn 2008 zum Staatssekretär.

Der G8-Gipfel in der vom Erdbeben zerstörten Stadt L’Aquila ist Bertolasos organisatorisches Meisterstück. Er war bereits für die Vorbereitungen an dem ursprünglich geplanten Austragungsort auf Sardinien verantwortlich. Nun organisierte er binnen zwei Monaten das Treffen der Großen in der Hauptstadt der Abruzzen – parallel zum Wiederaufbau der Stadt. Unter seinem Kommando stehen auch Polizei, Carabinieri, Feuerwehr und Soldaten.

Wenn Bertolaso sein Meisterstück G8-Gipfel gelingt, dann ständen ihm wohl weitere Türen offen. In Blogs kursiert bereits der Wunsch, ihn zum Staatspräsidenten zu küren. Ein Posten, auf den auch Berlusconi sein Auge geworfen hat.

Katharina Kort
Katharina Kort
Handelsblatt / Korrespondentin
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%