Im Profil: Chris Patten
Pang Ting Hong denkt europäisch

Im Jahr 1992 verlor Chris Patten, Wahlkampfmanager der Tories, seinen Wahlkreis und eine steile politische Karriere aus den Augen. Seitdem hat sich der heute 65-Jährige immer wieder erfolgreich um neue Jobs bemüht, unter anderem als „letzter Gouverneur von Hongkong“. Nun wirft er den Hut erneut offen in den Ring.

HB. Sein jüngstes Buch heißt „What next“ und handelt vom Überleben der Menschheit. Doch Chris Patten hat sich die Frage auch persönlich oft gestellt – vor allem 1992, als der damalige Wahlkampfmanager der britischen Konservativen John Major zu einem unerwarteten Wahlsieg verhalf, aber seinen eigenen Wahlkreis und damit eine steile politische Karriere verlor.

Jetzt stellt sich Baron Patten of Barnes, wie er inzwischen heißt, die alte Frage erneut. Obwohl er mit 65 die Rente verdient hätte und in seinem Haus in Südfrankreich seinen Lieblingsbeschäftigungen – Gärtnern, Weintrinken, Lesen – nachgehen könnte, drängt es ihn nach Jahren der Kontemplation wieder an die Macht. Vornehm signalisierte er, dass er für ein Amt in Brüssel zur Verfügung stehe und dabei an den Posten des EU-Außenministers denke. Er bewerbe sich nicht – „aber wenn man an mich herantreten sollte, würde ich positiv reagieren“.

Der Schock von 1992 hat dazu beigetragen, dass sich der Konservative immer wieder erfolgreich um neue Jobs bemühte. Premier Major machte ihn zum „letzten Gouverneur von Hongkong“. Sogar die Chinesen zollten Patten Respekt, sein chinesischer Name „Pang Ting Hong“ bedeutet Stabilität und Gesundheit. Schließlich schickte Premier Tony Blair den Tory nach Brüssel – als EU-Kommissar für auswärtige Beziehungen. Die Britisch-europäische Krise um den Irakkrieg war für ihn desillusionierend. Auch die Beziehungen zu seiner alten Partei wurden immer schwächer. Heute wirkt Patten aus britischer Sicht nicht wie ein Tory, sondern wie ein Christdemokrat vom Sozialflügel: pro-europäisch, katholisch, links der Mitte.

Nun wird gerätselt warum Patten so offen den Hut in den Ring wirft. Will er einer Wahl Blairs zum EU-Ratspräsidenten den Riegel vorschieben? Hat er es selbst auf das Spitzenamt abgesehen? Immerhin – 2004 galt er schon mal als Kandidat für das Amt des Kommissionspräsidenten. mth

Matthias Thibaut ist Korrespondent in London.
Matthias Thibaut
Handelsblatt / Korrespondent
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