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Chuck Hagel: Schritt für Schritt aus der Reserve

Verteidigungs- oder Außenminister hätte Chuck Hagel vor einigen Monaten werden sollen. Barack Obama hatte an dem moderaten Republikaner schon lange Gefallen gefunden. Hagel war einerseits konservativ, andererseits liberal. Und vor allem in einer zentralen Frage war er auf der Seite des neuen US-Präsidenten. Doch es kam anders.

Chuck Hagel lehnte den Krieg im Irak ab und trat für ein schnelles Ende des amerikanischen Engagements ein. Damit schien der Senator aus Nebraska ideal als Symbol für den überparteilichen Ansatz Obamas geeignet: Als prominenter Republikaner in einer demokratisch geführten Regierung. Doch es kam anders.

Bob Gates, von Georg W. Bush 2006 eingesetzt, blieb Chef im Pentagon; Hillary Clinton erhielt den Spitzenjob im State Department. Hagel stand mit leeren Händen da. Doch nun sieht es so aus, als bekäme der 62-Jährige womöglich eine zweite Chance. Für den einflussreichen verteidigungspolitischen Ausschuss beim Verteidigungsminister ist Hagel bereits nominiert. Zudem soll er Co-Vorsitzender eines Beratergremiums zur Arbeit der Geheimdienste werden. Angedockt ist der Rat direkt am Weißen Haus, bei Präsident Barack Obama. Vorsitzende waren dort keine Geringeren als etwa der ehemalige Sicherheitsberater von George Bush sen., Brent Scowcroft.

Offensichtlich will Obama den außenpolitisch versierten Hagel in seiner Nähe haben. Im Februar erst war er zum Vorsitzenden des Atlantic Council gewählt worden. Bei dem Thinktank spielt er die Expertise aus, die auch für den Präsidenten interessant ist: Hagel kennt sich aus mit Russland, mit Europa, mit China. Im Juli 2008 hatte er Obama zudem auf einer Reise in den Mittleren Osten begleitet.

Vielleicht mag auch noch eine andere Überlegung eine Rolle spielen: Der Sicherheitsberater des Präsidenten, James Jones, wirkt auch sechs Monate nach der Übernahme des Amtes fremd im Obama-Team. Es ist fraglich, ob er den gesamten ersten Term der Obama-Präsidentschaft dabei bleiben wird. Spätestens im Falle einer Wiederwahl Obamas 2012 dürfte mit einem Personalwechsel zu rechnen sein. Für Hagel wäre dann auch der Job des Sicherheitsberaters wie maßgeschneidert.

Markus Ziener ist Korrespondent in Washington.
Markus Ziener
Handelsblatt / Korrespondent
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