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Declan Ganley: Dickkopf im Kampf gegen die EU

Declan Ganley ist zurück: Der Gründer und Vorsitzende der "Libertas"-Bewegung zieht erneut gegen die Vertrag von Lissabon ins Feld. Am 2. Oktober wird Irland zum zweiten Mal über den Vertrag entscheiden. Dieses Mal könnte der Unternehmer zu spät kommen.

Eigentlich wollte sich Declan Ganley nicht noch einmal in den Kampf um das irische Referendum über den EU-Reformvertrag von Lissabon einmischen. Für reine "Zeitverschwendung" hielt er die ganze Angelegenheit noch Ende August - nicht aber, weil er den Sieg der Ja-Seite am 2. Oktober für unvermeidlich hält oder nach dem miserablen Abschneiden seiner "Libertas"- Gruppe bei der Europawahl genug von der Politik hat. "Es ist Zeitverschwendung, weil wir, wenn wir jetzt wieder mit Nein stimmten, doch nur ein weiteres Mal abstimmen müssten."

Nun aber hat es sich der 41-jährige Unternehmer und Überzeugungspolitiker wieder anders überlegt. Im smarten Anzug, das weiße Tuch in der Brusttasche, zwischen einer irischen und einer europäischen Fahne stehend erklärt er, warum er drei Wochen vor dem zweiten Referendum, doch wieder in den Prozess eingreift. Die "Kakofonie der Halbwahrheiten und Lügen" derer, die Irlands Entscheidung vom vergangenen Jahr umstoßen wollten, sei unerträglich geworden. "Riesige Lügen" würden verbreitet, wie die, dass Irlands wirtschaftliche Zukunft von einem Ja abhänge - "die übliche Einschüchterung Brüssels".

Am Montag begann er Geld einzusammeln. Die Kampagne werde bescheidener ausfallen als im Juni 2008, als Ganleys "Libertas" die Kraft hinter dem Sieg der Nein-Seite war. Zeitungen behaupteten, Ganley habe damals einen Großteil der Nein-Kampagne aus eigener Tasche finanziert. Leisten könnte sich das der Vielfach-Unternehmer, der als 14-jähriger schon Aktien kaufte und sein erstes Vermögen in Russland machte, wo er für billige Rubel Aluminium kaufte und in Rotterdam für das Zehnfache verkaufte. Ganley war Wirtschaftsberater der lettischen Regierung, startete einen Investmentfonds in Albanien, mehrere Telekomfirmen und ist heute CEO und Mehrheitsaktionär der amerikanischen Rivada Networks, die Funksysteme für Militär- und Notfalldienste herstellt.

Irische Zeitungen bezeichnen ihn gern als "britisch geboren". Seine Eltern lebten als Emigranten in England, bis Declan 13 war. Deshalb fehlt ihm der irische Akzent. Er selbst nennt sich einen irischen Patrioten und Pro-Europäer. Gerade dass er sich im Kampf gegen Lissabon neben die Europafahne stellt, macht ihn im Durcheinander der irischen Neinsager so wirkungsvoll. Kommt er diesmal zu spät? Nach einer Umfrage vom Sonntag wollen 62 Prozent der Bürger den EU-Vertrag durchwinken. Knapp jeder Vierte aber will das verhindern.

Matthias Thibaut ist Korrespondent in London.
Matthias Thibaut
Handelsblatt / Korrespondent
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