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Der Solidarnosc- Ökonom

Er arbeitete für den legendären Arbeiterführer Lech Walesa. Doch inzwischen verfolgt Janusz Lewandowski seine eigene Agenda. Jetzt soll er EU-Kommissar werden. Über die Motive eines überzeugten Liberalen.

Einen Schnauzer trägt er – wie der berühmte Arbeiterführer Lech Walesa. Dem ehemaligen polnischen Präsidenten arbeitete Janusz Lewandowski einst auch als ökonomischer Berater zu. Doch während Walesa längst auf das politische Altenteil gewechselt ist, hat Lewandowski seinen politischen Durchbruch erst noch vor sich.

Der einstige Chefökonom der Solidarnosc-Gewerkschaft soll – ausgerechnet 20 Jahre nach den ersten freien Wahlen in Polen und dem damaligen Erdrutsch-Sieg der Solidarnosc gegen die kommunistischen Herrscher – Polens neuer EU-Kommissar werden. Markenzeichen des Danzigers sind Zurückhaltung und Bescheidenheit – und sein gutes Deutsch. Nicht aufdringlich, aber politisch entschlossen und vor allem marktwirtschaftlich-liberal ist der 1951 geborene, einstige Privatisierungsminister Polens. Bisher ist er Vizechef des Haushaltsausschusses im EU-Parlament.

Seiner Heimat will der überzeugte Liberale, der bei der Europawahl das landesweit beste Ergebnis erzielte, von Brüssel aus helfen: Nach dem Rücktritt der bisherigen EU-Regionalkommissarin Danuta Hübner soll er nun schnell zu deren Nachfolgerin aufsteigen. So werde er bekannter und könne in der neuen EU-Kommission im Herbst eines der Top-Ressorts besetzen, lautet Warschaus Strategie.

Denn Polen fordert mit dem Wunsch nach dem Job des Binnenmarkt- oder Industriekommissars Deutschland und Frankreich heraus. „Polen will nicht nur ein Portfolio für Lippenbekenntnisse, sondern realen Einfluss auf Industriepolitik und Arbeitsmarkt“, sagt Lewandowski. Das offen für sich zu fordern, dafür ist er aber viel zu bescheiden. Und so wehrte Lewandowski diese Woche bei seinem Berlin-Besuch diplomatisch ab: Es sei alles „reine Spekulation“, dass er Industrie- oder Binnenmarkt-Kommissar der EU-Kommission werde.

Der Hamburger ist nach Stationen als Auslandskorrespondent in Moskau, Brüssel und Warschau jetzt Auslandschef des Handelsblatts. Er interessiert sich besonders für Osteuropa, die arabische Welt und Iran.
Mathias Brüggmann
Handelsblatt / Korrespondent
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