Im Profil: Fatemeh Adschorlu
Eine konservative Feministin

Frauen an iranischen Universitäten? Kein Problem, sofern sie „richtig“ anzogen sind. Als erste Frau seit der islamischen Revolution soll der linientreuen Fatemeh Adschorlu ein Ministeramt zugesprochen werden. Präsident Ahmadinedschad persönlich macht sich für Adschorlu stark – und hofft, so die Vertrauensabstimmung im Parlament zu überstehen.

HB. Wofür Fatemeh Adschorlu steht, wird auf den ersten Blick klar: Sie trägt die randlose Brille der Akademiker, aber auch die streng islamische Variante eines schwarzen Kopftuchs, das nur einen kleinen Gesichtsausschnitt unbedeckt lässt. Und damit ist auch schon alles angesprochen, was bislang über die 43-Jährige bekannt ist, die auf Wunsch von Präsident Mahmud Ahmadinedschad als erste Frau seit der islamischen Revolution ein Ministeramt in Iran bekommen soll.

Nach offiziellen Angaben ist Adschorlu Parlamentsabgeordnete und verfügt über einen Universitätsabschluss im Fach Psychologie, was sie für das Amt der Sozialministerin qualifiziere. Inoffizielle Quellen und ausländische Korrespondenten charakterisieren Adschorlu als islamistische Frauenrechtlerin, die sich selbst als Rollenvorbild sieht: Sie habe sich ebenso für einen Frauenquote an Universitäten wie für eine sehr strikte Kleiderordnung für Frauen eingesetzt.

Tatsächlich aber sind Adschorlu und auch die Medizinprofessorin Marsieh Wahid Dastdscherdi, die Gesundheitsministerin werden soll, nur Spielfiguren in Ahmadinedschads Kampf um den Machterhalt. Zwar hat ihn der oberste religiöse Führer Ali Khamenei nach der manipulierten Wahl erneut zum Präsidenten ernannt – aber schon bald muss er sich mit einem neuen Kabinett im Parlament einer Vertrauensabstimmung stellen. Eine offene Niederlage ist unwahrscheinlich; aber es könnte eine demütigende Erfahrung für den umstrittenen Politiker werden, der sich nicht nur bei den Moderaten, sondern auch bei vielen Konservativen unbeliebt gemacht hat. Selbst Khamenei steht offenbar nicht mehr vorbehaltlos hinter seinem Schützling.

Also muss Ahmadinedschad – fast schon wie ein westlicher Politiker – taktieren und auf den Proporz achten. Mit der Nominierung von zwei oder gar drei Ministerinnen geht er auf Irans Frauen zu, die bei den Protesten gegen die Wahlfälschung eine besonders mutige Rolle gespielt hatten. In der Bevölkerung wird ihm seine konservative Misswahl aber kaum Zustimmung einbringen – und die Hardliner im Parlament eher aufbringen, hatten diese doch gerade erst „erfahrene“ Minister gefordert. law

Georg Watzlawek
Georg Watzlawek
Handelsblatt Online / Ressortleiter Wirtschaft und Politik
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