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Hatoyama – Ingenieur im Land der Tüftler

Ob Washington Tokio über den bevorstehenden Atomtest in Nordkorea informiert habe, wollte Yukio Hatoyama im Parlament vom Premier wissen. Hatoyama, der neue Spitzenkandidat der Opposition, hat Blut geleckt und fordert Amtsinhaber Taro Aso bei jeder Gelegenheit heraus.

TOKIO. Noch in diesem Jahr wird in Japan gewählt – und Hatoyamas Frage hat Sprengkraft. Von der Antwort hängt ab, wie die Öffentlichkeit Aso wahrnimmt: als Vasallen der USA, aber unehrlich gegenüber dem eigenen Volk? Aso windet sich, weicht aus, wirft Hatoyama vor, über die Machtübernahme hinaus kein Ziel zu haben. Das gibt der Oppositionsführer prompt zurück: „Der Regierungswechsel wird tatsächlich nicht das Ziel sein, sondern der Start!“

Japans Opposition hat erstmals seit dem Krieg echte Chancen, die Macht im Lande dauerhaft zu erringen. Mit einer kurzen Ausnahme regierte ununterbrochen die Liberaldemokratische Partei (LDP). Doch nun liegen Hatoyamas Demokraten in Umfragen vorne. Die Popularität muss der neue Mann nun bis zur Wahl retten, die zwischen Juli und September stattfinden wird. Hatoyama befindet sich auf einem Marathon durch die Talkshows, seine Botschaft: In Japan müssen mehr Freundschaft und Solidarität herrschen.

Mit Hatoyama hat die Demokratische Partei Japans (DPJ) einen Kandidaten gefunden, hinter den sich alle Flügel stellen können. Dabei hat ihm seine Verbindlichkeit geholfen – und seine Herkunft. Hatoyama stammt aus einer der Elitefamilien, die viele Spitzenpolitiker und einflussreiche Gelehrte hervorgebracht hat. Sein Großvater war Premier, sein Vater Außenminister. Er selbst hatte sich zunächst für ein Ingenieursstudium entschieden und in Stanford promoviert. Das gilt als guter Hintergrund für einen, der das Land der Toyotas, Sonys, Hondas und Panasonics führen will. Nach kurzer Karriere an der Uni arbeitete er im Abgeordnetenbüro seines Vaters, um 1986 selbst ins Parlament einzuziehen. In den Neunzigerjahren gehörte er zu einer Gruppe Abgeordneter, die sich in einer neuen Partei von der regierenden LDP abspalteten und später in die DPJ eintraten.

Ein Kritiker hatte über Hatoyama gesagt, er sei wie Softeis: Es sehe erst süß aus, in der Sonne schmelze es aber sofort. Jetzt hat Hatoyama die Gelegenheit, sich als solider Politiker zu beweisen. Im Wahlkampf versucht seine Partei es jedoch erst einmal mit süßen Versprechen: Mit ihr werde es keine Steuererhöhungen geben.

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