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Hollands radikale Stimme gegen Europa

Er hat den Koran als ein „faschistisches Buch“ bezeichnet und ihn mit Hitlers „Mein Kampf“ auf eine Stufe gestellt. Jetzt hat Geert Wilders den Europawahlkampf in den Niederlanden klar für sich entscheiden können, mit europa- und fremdenfeindlichen Parolen.

BRÜSSEL. Mit vier Abgeordneten zieht seine „Partei der Freiheit“ (PVV) ins Europäische Parlament ein und ist damit die zweitstärkste Partei hinter den Christdemokraten im Polderland.

Für den 45-jährigen Rechtspopulisten mit der schulterlangen, blonden Löwenmähne und seine junge Partei ist es der erste ernstzunehmende Wahlerfolg. Bisher war die PVV im niederländischen Parlament gerade mal mit neun von 150 Sitzen vertreten. Jetzt hat er über 17 Prozent der Stimmen bekommen.

Wilders ist ein Gegner der Europäischen Union und propagiert seit Jahren die niederländische Leitkultur. Brüssel steht für den gelernten Versicherungskaufmann für zu große Einflussnahme von außen auf die niederländische Politik. Schon 2004 hatte Wilders die Kampagne gegen den europäischen Verfassungsvertrag angeführt – mit Erfolg. Die Mehrheit der Niederländer stimmte dagegen. „Wir sind überwältigt von diesem Ergebnis und werden ab sofort noch stärker für weniger Europa und mehr nationale Eigenständigkeit kämpfen“, sagte Wilders in Den Haag.

Wilders war lange Jahre Abgeordneter für die rechtsliberale Partei VVD, wurde als Hinterbänkler abgestempelt und konnte sich nur schwer gegen die Führungsriege durchsetzen. Deshalb gründete er 2004 seine eigene Partei und fällt seitdem durch seine radikalen Forderungen auf. Sein Programm bezeichnet er als „liberalen Dschihad“ gegen den Islam und spricht sich für ein generelles Verbot von Moscheen in den Niederlanden aus. Vor zwei Jahren forderte er sogar, den Gleichheitsgrundsatz im niederländischen Grundgesetz aufzuheben und zugunsten der niederländischen Leitkultur zu streichen. Vergangenes Jahr sorgte er weltweit – und vor allem in arabischen Ländern – für Aufregung mit seinem Film „Fitna“, der Muslime als hinterhältige Terroristen darstellt.

Ruth Berschens leitet das Korrespondenten-Büro in Brüssel.
Ruth Berschens
Handelsblatt / Büroleiterin Brüssel
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