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Jaap de Hopp Scheffer: Scheidender Nato-Chef in Nöten

So hat sich Jaap de Hoop Scheffer seine letzten Tage in Brüssel bestimmt nicht vorgestellt. Kurz vor Ende seiner Amtszeit ist der Nato-Generalsekretär zwischen die Fronten geraten. Deutsche gegen Amerikaner - und der Niederländer mittendrin.

So hat sich Jaap de Hoop Scheffer seine letzten Tage in Brüssel bestimmt nicht vorgestellt. Kurz vor Ende seiner Amtszeit im Juli ist der stets um Ausgleich bemühte Nato-Generalsekretär überraschend zwischen die Fronten geraten. Deutsche gegen Amerikaner - und der Niederländer mittendrin: So verläuft der Streit, der im Nato-Hauptquartier entbrannt ist und der Scheffers Zukunftspläne über den Haufen werfen könnte.

Ursprünglich hatte sich der 60-Jährige nach einem Anschlussposten bei der Europäischen Union umsehen wollen. In EU-Kreisen wird Scheffer als möglicher Nachfolger von Chefdiplomat Javier Solana gehandelt. Gestern traf er sich zu einem Mittagessen mit Kommissionspräsident José Manuel Barroso im Berlaymont - eine ideale Gelegenheit, um diskret über Zukunftspläne zu sprechen.

Doch statt um EU-Posten ging es vor allem um Afghanistan. Und da ist Scheffer in der Defensive: In seinen sechs Jahren an der Nato-Spitze hat er es nicht vermocht, Amerikaner und Europäer auf eine Linie zu bringen. Im Gegenteil: Ausgerechnet jetzt, da das 60. Bündnis-Jubiläum naht, streiten der amerikanische Oberbefehlshaber John Craddock und der deutsche General Egon Ramms lauthals über die richtige Strategie im Kampf gegen den Terror.

Scheffer hat es nicht nur versäumt, den Streit rechtzeitig zu entschärfen. Der Nato-Chef sieht sich auch noch dem Vorwurf ausgesetzt, seinen Laden nicht im Griff zu haben. Denn im Brüsseler Hauptquartier gibt es offenbar undichte Stellen, durch die brisante Details nach außen drangen. Nachdem "Spiegel Online" über einen angeblichen Tötungsbefehl Craddocks berichtet hatte, sah sich Scheffer sogar gezwungen, eine interne Untersuchung einzuleiten, um das Loch zu schließen.

Geholfen hat es nicht: In Berlin hagelte es Proteste gegen die umstrittene Weisung. Und in Brüssel wachsen die Zweifel an Scheffers Führungsqualitäten. Der Niederländer sei "zu amerikanisch" und handele zu wenig eigenständig, kritisierte ein deutscher Europaabgeordneter. Wer Solana ablösen wolle, müsse eine strategische Vision haben und dürfe sich nicht aufs Taktieren verlegen.

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