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Juncker: Abschied auf Raten für Mister Euro

Die Europäische Währungsunion ist mit seinem Namen untrennbar verbunden: Jean-Claude Juncker. Doch nun mehren sich die Anzeichen, dass die Euro-Zone bald ohne den luxemburgischen Regierungschef auskommen muss. Es ist Juncker selbst, der solche Spekulationen immer wieder nährt.

BRÜSSEL. Heute gab der 54-Jährige bekannt, dass er nicht länger Finanzminister seines Landes bleiben möchte. Künftig wolle er nur noch Premier sein.

Welche Konsequenzen das für sein Amt als Chef der Gruppe der 16 Euro-Finanzminister hat, weiß Juncker anscheinend selber nicht genau. heute verwickelte er sich in Widersprüche. Erst ließ er sein Presseamt verkünden, dass er den Vorsitz der Eurogruppe abgibt. Dann hieß es plötzlich, Juncker wolle das Amt doch weiter ausüben. Die Entscheidung darüber falle aber erst nach der luxemburgischen Parlamentswahl am Sonntag.

Das Spielchen mit den verklausulierten Rücktrittsdrohungen treibt Juncker nun schon eine ganze Weile. Will der Chef des Mini-Herzogtums damit die Regierungschefs der großen EU-Staaten unter Druck setzen? Vielleicht sollen sie dafür sorgen, dass Luxemburg wieder von der grauen OECD-Liste der Steuerparadiese verschwindet. Zum großen Ärger Junckers hatten Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy und Bundeskanzlerin Angela Merkel beim Weltwirtschaftsgipfel Anfang April zugelassen, dass Luxemburg auf dieser Liste landete. Damit hätten Merkel und Sarkozy Wortbruch begangen, tobte der Luxemburger.

Vielleicht möchte sich Juncker auch bitten lassen, an der Spitze der Eurogruppe auszuharren. Darauf wartet er bisher allerdings vergeblich. Frankreich winkte bereits ab. Es sei fraglich, ob Juncker für das Amt überhaupt noch motiviert sei, merkte Finanzministerin Christine Lagarde kühl an. Sie hätte nichts dagegen, den Vorsitz der Eurogruppe selber zu übernehmen. Das Verhältnis zwischen Juncker und Sarkozy gilt als zerrüttet.

Der Streit um die Steueroasen hat auch Junckers Beziehungen zu Bundesfinanzminister Peer Steinbrück schwer belastet, zumal der deutsche Minister immer wieder Öl ins Feuer gießt („Ouagadougou“). Immerhin: Bundeskanzlerin Merkel stützt Juncker – noch.

Ruth Berschens leitet das Korrespondenten-Büro in Brüssel.
Ruth Berschens
Handelsblatt / Büroleiterin Brüssel
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