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Kathleen Sebelius: Siegertyp mit leichten Blessuren

Was ihr in Kansas nicht glückte, soll nun in Washington gelingen: Die 60-jährige Kathleen Sebelius soll eines der ehrgeizigsten Reformprojekte von Barack Obama ins Werk setzen. Der Auftrag an die Gouverneurin von Kansas lautet, das amerikanische Gesundheitswesen vom Kopf auf die Füße zu stellen.

Was ihr in Kansas nicht glückte, soll nun in Washington gelingen: Die 60-jährige Kathleen Sebelius soll eines der ehrgeizigsten Reformprojekte von Barack Obama ins Werk setzen. Der Auftrag an die Gouverneurin von Kansas lautet, das amerikanische Gesundheitswesen vom Kopf auf die Füße zu stellen. Eine Aufgabe, an der sich schon viele Politiker die Zähne ausgebissen haben - nicht zuletzt Sebelius selbst.

In ihrem Heimatstaat hatte sie zweimal vergeblich versucht, die Tabaksteuer zu erhöhen. Mit den zusätzlichen Einnahmen wollte sie eine Ausweitung der Krankenversicherung finanzieren. Doch beide Male scheiterte Sebelius am Widerstand der Republikaner. Der Vorteil als designierte Gesundheitsministerin: In Washington muss sie nicht gegen eine starke republikanische Opposition ankämpfen.

Sebelius tritt an die Stelle von Ex-Senator Tom Daschle, der ursprünglich für das Amt vorgesehen war, dann aber über eine Steueraffäre stolperte. Dass Obama mit Sebelius ein ähnliches Missgeschick droht, ist unwahrscheinlich: Die elegante und stets kompetent wirkende Dame ist ein Siegertyp. Wann immer sie für ein Amt kandidierte, gewann sie dieses auch. Und dass der Demokratin dies ausgerechnet im strukturkonservativen Kansas gelang, machte sie von Beginn an interessant. Immer wieder tauchte deshalb auch ihr Name auf, wenn es um die Besetzung hochrangiger Positionen im Team von Barack Obama ging - auch als Anwärterin auf den Job des Vize-Präsidenten.

Die Pharmabranche wird sich mit Sebelius auf härtere Zeiten einstellen müssen. Denn bei allem politischen Widerstand war es ihr in ihrem Heimatstaat immerhin gelungen, dass Kansas beim Einkauf von billigeren Arzneien aus Kanada, Großbritannien und Irland mitmachte. Damit setzte sie die Pharmaindustrie unter Druck. Man kann getrost darauf wetten, dass sie dies nun auch landesweit plant.

Markus Ziener ist Korrespondent in Washington.
Markus Ziener
Handelsblatt / Korrespondent
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