Im Profil
Kenneth Feinberg: Mann mit dem richtigen Feingefühl

Er ist der Mann für die sensiblen Fälle: Kenneth Feinberg, begeisterter Theaterfan und Präsident der Washingtoner National Oper, wird neuer US-Oberaufseher über die Managergehälter. Sein Fingerspitzengefühl kann der 63-Jährige brauchen, denn Feinberg entscheidet, welche Gehälter angemessen sind und welche nicht.

HB. Er ist sich sicher: Auslöser der aktuellen Krise waren Vergütungssysteme, die Manager zu kurzfristigen Spekulationen verführten. Kenneth Feinberg ist angetreten, um das zu korrigieren. Die US-Regierung hat den 63-Jährigen zum neuen US-Oberaufseher über die Managergehälter gemacht. In sieben teilverstaatlichten Unternehmen – von Citigroup, AIG und der Bank of America bis General Motors – überprüft der Staranwalt die 100 höchsten Bezüge der Chefriege.

Auch wenn der Washingtoner Politbetrieb den neuen Regierungsbeauftragten als „Pay Czar“ – „Zar der Gehälter“ – tituliert, wird er kaum als absolutistischer Alleinherrscher auftreten. Bekannt ist der begeisterte Theaterfan und Präsident der Washingtoner National Oper eher für sein Fingerspitzengefühl.

Feinberg ist in Amerika der Mann für die besonders sensiblen Fälle: So vermittelte der Jurist etwa bei der Entschädigung von Opfern des während des Krieges in Vietnam eingesetzten Entlaubungsmittels Agent Orange. Viel Anerkennung erhielt er auch für die Verwaltung des Hilfsfonds für die Opfer der Terroranschläge vom 11. September 2001. Nach Anhörung von 1 500 betroffenen Familien entschied er über deren Ansprüche. Seine Eindrücke und Erlebnisse, die er während dieser Verhandlungen sammelte, schildert Feinberg 2005 in seinem bewegenden Buch „What Is Life Worth?“

Das bei diesen Aufgaben unter Beweis gestellte Feingefühl wird Feinberg auch bei der aufgeheizten öffentlichen Debatte über die Managergehälter brauchen. Denn während die Steuerzahler kein Verständnis für Millionenboni bei den teilverstaatlichten Firmen haben, fürchten diese um ihre Wettbewerbsfähigkeit.

Aus dem Raum 1310 des Finanzministeriums heraus wird Feinberg der Öffentlichkeit erklären müssen, dass die Unternehmen ordentlich zahlen müssen, um ihre Experten nicht an die Konkurrenz zu verlieren. Ergebnisse wird es aber wohl erst in einigen Monaten geben. Die betroffenen Firmen müssen ihm in den nächsten acht Wochen die Gehalts- und Bonusvereinbarungen ihrer Spitzenverdiener vorlegen und gegebenenfalls anpassen. Da es keine statische Obergrenze gibt, dürfte Feinberg eine Menge Ermessensspielraum bei der Entscheidung haben, was angemessen ist und was nicht. Dabei dürfte ihm helfen, dass er selbst fast unangreifbar ist. Feinberg bekommt für seinen Job „keinen Penny“.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%