Im Profil: Mark Malloch-Brown
Augenringe zum Wohle der Welt

Müde sieht er aus. Die Ringe unter den Augen von Mark Malloch-Brown sind tief und dunkel. Kein Wunder, nur mit Mühe kann sich der Staatssekretär im britischen Außenministerium erinnern, wie viele Länder er in den vergangenen beiden Monaten besucht hat.

Am Ende kommt der wuchtige Mann auf mehr als ein Dutzend Trips von China bis nach Brasilien. Der 56-Jährige hat eine wahre Mammutaufgabe hinter sich: Für den Labour-Premierminister Gordon Brown organisierte der Diplomat den Gipfel der 20 wichtigsten Industrie- und Schwellenländer, der heute in London stattfindet, und der die Welt aus dem Griff der Finanzkrise befreien soll. Wochenlang reiste der Sonderbeauftragte um den Globus, lotete Befindlichkeiten und Empfindlichkeiten aus, versuchte Kompromisse zu finden in Sachen Konjunkturhilfen und Finanzmarktregulierung, entwarf Erklärungen und verwarf sie wieder.

Schon früh erkannte er, dass der große Wunsch von Premier Brown - ein gemeinsames Konjunkturpaket der G20 - sich nicht durchsetzen lassen würde. Zu heftig war der Widerstand von Deutschland und von anderen Staaten. "Wir dürfen uns nicht zu sehr auf die Kraft großer Zahlen verlassen", sagt Malloch-Brown dazu heute. Außerdem hätten die Industriestaaten ja bereits umfangreiche Konjunkturpakete aufgelegt, deren Wirkung man erst einmal abwarten müsse.

Für einen Berufsdiplomaten hat Malloch-Brown einen ausgesprochen bunten Hintergrund. Journalist, Menschenrechtler, und Polit-Berater war der Vater von vier Kindern bereits. Nach dem Studium in Cambridge startete er seine Karriere beim Wirtschaftsmagazin "Economist". Als Consultant der Washingtoner Politikberatung Sawyer Miller betreute er den Wahlkampf von Corazon Aquino, als die auf den Philippen gegen Diktator Ferdinand Marcos antrat. Nach einer Station bei der Weltbank wechselte Malloch-Brown zu den Vereinten Nationen. Dort leitete er das Entwicklungsprogramm UNDP, das er aus der Krise führte. Zur Belohnung machte der damalige Uno-Generalsekretär Kofi Annan den durchsetzungsstarken Manager kurz vor Ablauf seiner Amtszeit zu seinem Stellvertreter.

Wenn sich heute die Regierungschefs der G20 an den Verhandlungstisch setzen, dann ist Malloch-Browns Aufgabe erledigt, das Ende des Prozesses kann er nicht mehr beeinflussen. Jetzt will der Diplomat erst einmal Urlaub machen - in Frankreich. Eine etwas ungewöhnliche Wahl, wenn man bedenkt, dass es ausgerechnet der französische Premier Nicolas Sarkozy war, der zuletzt am lautesten mit einem Scheitern des G20-Gipfels drohte.

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