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Milo Djukanovic: "Zar Milo" macht´s noch einmal

Seit dieser Woche ist Milo Djukanovic derjenige Machthaber, der im Europa der Nach-Wende-Zeit am längsten amtiert: Seine an der Adria herrschende Partei der demokratischen Sozialisten (DPS) hat am Sonntag in Montenegro erneut den Wahlsieg eingefahren. Djukanovic selbst sieht sich als "einzigen erfahrenen Retter in der Krise".

Als er am 15. Februar 1991 Premier wurde und zeitgleich seinen 29. Geburtstag feierte, war er Europas jüngster Regierungschef. Seit dieser Woche ist Milo Djukanovic auch derjenige Machthaber, der im Europa der Nach-Wende-Zeit am längsten amtiert: Seine an der Adria herrschende Partei der demokratischen Sozialisten (DPS) hat am Sonntag in Montenegro erneut den Wahlsieg eingefahren. Jeder zweite wahlberechtigte Montenegriner gab Djukanovic seine Stimme. Schon nennen die Bürger ihren Regierungschef und Staatspräsidenten wegen seiner Machtfülle gern "Zar Milo".

Tatsächlich hatte niemand ernsthaft an Djukanovics Sieg gezweifelt. Denn die Opposition ist heillos zerstritten. Doch offenbar plagten den in seinem Land Allmächtigen erste Selbstzweifel. Denn Djukanovic hatte die Parlamentswahl um 18 Monate vorgezogen, um die Menschen nicht erst auf dem Höhepunkt der Wirtschafts- und Finanzkrise an die Urnen rufen zu müssen.

Guten Grund hat der alte und neue starke Mann in Montenegro dafür: Sein Land dürfte schon bald als Bittsteller an die Türen des Internationalen Währungsfonds und der Weltbank klopfen. Montenegro weist mit minus 26,9 Prozent das mit Abstand größte Leistungsbilanzdefizit Europas aus. Schlimmer noch: Der Adriastaat ist bislang vollkommen abhängig von Russland; doch sogar der Kreml ist inzwischen in der Krise klamm.

Dass Djukanovic, dem die Opposition neben Korruption und einem in Wendezeiten durch Schmuggel erworbenes Millionenvermögen vor allem den Ausverkauf Montenegros an Russland vorwirft, so lange im Amt ist, finden Kritiker logisch: "Über die Hälfte der Beschäftigten hängen direkt von staatlichen Jobs ab, und der Staat wird von Djukanovics DPS kontrolliert", sagt Milka Tadic Mijovicsie, Direktorin des Wochenmagazins "Monitor". Den 46-jährigen früheren Politzögling des serbischen Autokraten Slobodan Milosevic, der per Volksreferendum 2006 sein Land aus dem Staatenverbund mit Serbien herausführte, ficht derlei nicht an: Im Wahlkampf versprach Djukanovic Montenegro eine "schnelle EU- und Nato-Mitgliedschaft"; er selbst sei der "einzige erfahrene Retter in der Krise".

Der Hamburger ist nach Stationen als Auslandskorrespondent in Moskau, Brüssel und Warschau jetzt Auslandschef des Handelsblatts. Er interessiert sich besonders für Osteuropa, die arabische Welt und Iran.
Mathias Brüggmann
Handelsblatt / Korrespondent
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