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Papandreou: Erbfolge in Athens Polit-Clan

Mit der absoluten Mehrheit hat selbst Giorgos Papandreou nicht gerechnet. Nun will der Sohn des ehemaligen griechischen Regierungschef Andreas Papandreou eine "realistische und undogmatische" Wirtschafts- und Finanzpolitik betreiben und das erschütterte Vertrauen der Griechen in die Politik zurückgewinnen.
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Lange stand er im Schatten des legendären Vaters. Jetzt muss Giorgos Papandreou beweisen, dass er nicht nur wegen seines Namens zum griechischen Regierungschef gewählt wurde. Bereits zum dritten Mal stellt der Polit-Clan Papandreou damit einen Premier in Athen: Der Großvater Giorgos regierte das Land Mitte der 60er-Jahre, der Vater Andreas kam 1981 mit dem Slogan vom "Großen Wandel" an die Macht - und legte in den Jahren danach mit seiner hemmungslosen Schuldenpolitik den Grundstein für die heutige Finanzmisere des Landes.

Was das angeht, werde Papandreou junior nicht in die Fußstapfen des Vaters treten, wird in der Umgebung des designierten Premiers versichert. Man werde eine "realistische und undogmatische" Wirtschafts- und Finanzpolitik erleben. Die Botschaft kam offenbar an: Die Kurse der griechischen Staatsanleihen zogen gestern an - ein Vertrauenssignal der Finanzmärkte, von denen das hochverschuldete Land stark abhängig ist.

Geboren 1952 in St. Paul in den USA, wo sein Vater Ökonomie an der University of Minnesota lehrte, studierte Giorgos Papandreou in Toronto, Stockholm und an der London School of Economics Soziologie, bevor er in den 80er-Jahren in die Politik ging. 1999 berief ihn der Reformpremier Kostas Simitis zum Außenminister. In seinen fünf Jahren als Chefdiplomat widmete sich Papandreou vor allem der Annäherung an den "Erbfeind" Türkei. Nicht nur seit seiner Zeit als Außenminister ist er gut vernetzt, auch als Präsident der Sozialistischen Internationale hat er in den vergangenen Jahren viele Kontakte geknüpft.

Im neuen Parlament kann sich Papandreou mit 160 der 300 Sitze auf eine bequeme absolute Mehrheit stützen - ein Wahlsieg, der auch seine eigenen Erwartungen übertrifft. Obwohl er drei Jahre älter ist als sein jetzt abgewählter konservativer Gegenspieler Kostas Karamanlis, wirkt Papandreou wie der Jüngere - nicht nur wegen der sportlichen Erscheinung des Fitness-Fans. Auch seine politischen Ideen sind frischer. So will er jetzt überparteiliche Fachleute in sein Team holen, das Klientelwesen, zerschlagen und das erschütterte Vertrauen der Griechen in die Politik zurückgewinnen. "Ich will Griechenland sein Lächeln zurückgeben", sagt Papandreou. Momentan haben die Bürger angesichts der Krise allerdings nicht viel zu lachen.

Gerd Höhler
Gerd Höhler
Handelsblatt / Korrespondent Südosteuropa

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