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Pascal Lamy: Kämpfer für die Welt und sich selbst

Das "Schlimmste der Krise" stehe im sozialen Bereich noch bevor, warnt der Generaldirektor der Welthandelsorganisation WTO Pascal Lamy und macht sich Sorgen um die Armen. Beim Einsatz gegen das Elend vergisst der französische Sozialist seine eigene finanzielle Lage nicht: Lamy forderte umlängst einen Aufschlag seiner Bezüge um 30 Prozent.

In Zeiten der Wirtschaftskrise macht sich Pascal Lamy immer wieder Sorgen um die Ärmsten: "Die Schwächsten unter uns tragen die volle Last", klagt der Generaldirektor der Welthandelsorganisation (WTO). "Das Schlimmste der Krise" im sozialen Bereich stehe noch bevor.

Doch bei allem Einsatz gegen das Elend vergisst Lamy seine eigene finanzielle Lage nicht. Der französische Sozialist mit einem Jahresgehalt von umgerechnet gut 315 000 Euro forderte unlängst einen kräftigen Anstieg seiner Bezüge. Ausgerechnet eine Zeitung aus dem Schwellenland Indien, der "Business Standard", deckte die Sache auf. Bei der Sitzung des Allgemeinen Rates der WTO am Dienstag und Mittwoch steht das Thema zwar nicht auf der offiziellen Agenda, es dürfte aber für Zündstoff sorgen.

Das WTO-Sekretariat betätigt: Lamy wollte rund 30 Prozent mehr Salär haben. Das Begehren des 62-Jährigen hänge vor allem damit zusammen, dass der frühere Bankmanager und EU-Handelskommissar bislang keine Ansprüche aus dem WTO-Pensionsfonds habe.

Doch die USA, Deutschland und andere WTO-Zahlmeister lehnten die stattliche Erhöhung der Lamy-Bezüge ab. "Millionen Menschen verlieren ihren Job oder müssen für viel weniger Geld arbeiten, wir haben die Gier-Debatte über Managerbezüge", sagte ein Diplomat. "Da ist ein massiver Anstieg der Bezüge für den WTO-Generaldirektor kaum vermittelbar."

Lamy will das Pokern über seinen neuen Vertrag als WTO-Chef nutzen, um seine finanziellen Vorstellungen zu realisieren. Im September beginnt die zweite vierjährige Amtszeit des fünften Generaldirektors. Immerhin kann Lamy auf sein Rackern für die Welthandelsorganisation verweisen: Seit seinem Amtsantritt in der Genfer WTO-Zentrale 2005 kämpft er verbissen für einen Abschluss der Welthandelsrunde. Doch das Feilschen der WTO-Mitglieder über Zölle, Kontingente und Subventionen nimmt kein Ende. Insgesamt ziehen sich die Gespräche zur Öffnung der Weltmärkte schon fast acht Jahre hin. Der WTO-Chef, mit wenig formaler Macht ausgestattet, kann die Streithähne bislang nicht zur Räson zwingen. Klar, dass der Job in Genf nicht viele Interessenten anlockt. Der einzige Kandidat für die Amtszeit bis 2013 heißt Pascal

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