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Patxi López: Ein „Verräter“ führt die Basken

Einst war Patxi López mit 28 Jahren der zweitjüngste Abgeordnete im spanischen Parlament - heute wird er aller Vorraussicht nach der erste nicht-nationalistische baskische Regierungschef seit dem Ende der Franco-Diktatur. López will für "Normalität" in der terrorgeplagten Region sorgen.

Für die nach Unabhängigkeit strebenden nationalistischen Parteien im Baskenland und für die baskische Terrororganisation Eta ist er ein Ausländer. Einer, der die baskische Nation, den Anspruch auf einen eigenen Staat und die vielen Symbole, die damit einhergehen, verraten will.

Dabei ist Patxi López, der heute im baskischen Parlament aller Voraussicht nach zum ersten nicht-nationalistischen Regierungschef seit dem Ende der Franco-Diktatur gekürt wird, so baskisch wie seine Widersacher von der Nationalistenpartei PNV, die in den vergangenen 21 Jahren die Regierung anführten.

Geboren im baskischen Portugalete, ging López mit 28 Jahren für die Sozialisten und die Provinz Vizcaya ins spanische Parlament - als zweitjüngster Abgeordneter nach dem heutigen Premier José Luis Rodriguez Zapatero. Mit dem baskischen Sozialismus, der in der Industrieregion auf eine lange Tradition zurückblickt, hatte López früh Kontakt: Sein Vater war ein bekannter Sozialist und Gewerkschaftler, der während der Franco-Diktatur im Untergrund arbeitete und mehrfach im Gefängnis war. "Dein Vater ist kein Verbrecher, er kämpft für eine gute Sache", sagte die Mutter dann ihrem Sohn. Im Haus der Eltern gingen sozialistische Größen wie der spätere Ministerpräsident Felipe Gonzalez ein und aus.

López strahlt Offenheit und Humor aus. Ein Mann zum Anfassen, schlank und sportlich, aber nicht selten mit einer Zigarette in der Hand. Er ist in Internet-Netzwerken wie Twitter präsent, und selbst in Wahlkampfzeiten bloggte er eifrig.

Seine Kommunikationsstärke wird López jetzt brauchen. Er hat keine eigene Mehrheit im baskischen Parlament und braucht die Unterstützung der konservativen PP, der zweitgrößten Partei in Spanien, die seit vielen Jahren konsequent gegen Separatismus und Nationalismus zu Felde zieht. Baskische PP-Politiker können nicht ohne Personenschutz auf die Straße gehen. López will für "Normalität" in der terrorgeplagten Region sorgen. Sollte ihm dies auch nur annähernd gelingen, dürfte man ihn mit einem hohen Amt in der nationalen Politik belohnen.

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