Im Profil
Ron Bloom: Zuständig für Jobwunder

Obamas neuer Industrieberater soll den Niedergang des amerikanischen Produktionssektors stoppen. Ron Bloom muss dazu mit den Arbeitnehmern zusammenarbeiten. Die Gewerkschaft kennt er aus langer Erfahrung. Obama selbst hilft die Ernennung von Bloom aus einem Dilemma.

Dass US-Präsident Barack Obama seinen neuen Industrie-Zaren gestern auf einer Gewerkschaftsveranstaltung vorstellte, machte Sinn. Denn Ron Bloom bekam es dort sogleich mit jener Klientel zu tun, mit der er künftig viel zusammenarbeiten muss: den Arbeitnehmern.

Zuständig für den verarbeitenden Sektor soll Bloom dessen Niedergang stoppen. Inzwischen sind im Produktionssektor der USA nur noch 11,8 Mio. Menschen beschäftigt - von knapp 20 Mio. 1979. Die Jobverluste in diesem Sektor tragen damit erheblich zur aktuellen Arbeitslosenquote von 9,7 Prozent bei. Bloom soll nun die staatliche Industriepolitik besser koordinieren, um den Trend wenigstens zu verlangsamen.

Fehlen wird er damit allerdings dem Finanzministerium; dort hatte er als Chef der Auto-Task-Force erst im Juli Steve Rattner abgelöst. Zwar bleibt er weiter ein Berater von Finanzminister Tim Geithner in Fragen der Autoindustrie. Doch in der Praxis gilt es als unwahrscheinlich, dass der neue Industriekoordinator im Weißen Haus tatsächlich noch viel Zeit für diese Aufgabe hat.

Aus deutscher Sicht heißt dies, sich nach Rattner und Bloom wieder auf neue Partner einstellen zu müssen, wenn man mit der Treasury über das Schicksal von Opel verhandelt.

Bloom kennt die Gewerkschaft aus langer Erfahrung. Seit Mitte der 90er-Jahre arbeitete er bei der United Steelworkers Union, einer der größten Gewerkschaften mit 1,2 Millionen Mitgliedern. Erlebt hat er dort, wie Stahlunternehmen schließen mussten und "abgewickelt" wurden. Zuvor war Bloom auf der anderen Seite: Als Banker bei Lazard Freres & Co organisierte er Investmentdeals. Auch in dieser Rolle war er aber mit Arbeitnehmerfragen befasst.

Obama selbst hilft die Ernennung von Bloom aus einem Dilemma. Da wegen der langwierigen Bestätigungsverfahren in den Ministerien noch immer viele Posten unbesetzt sind, holt er sich Kompetenz kurzerhand ins Weiße Haus - und umgeht damit die umständlichen Anhörungen. Bloom ist daher auch nur einer von inzwischen einer ganzen Hand voll von sogenannten "Zaren". Gesundheit, Energie, Umwelt, Stadtentwicklung: Auf all diesen Feldern gibt es im Weißen Haus Branchenchefs, die weitgehend unabhängig agieren.

Markus Ziener ist Korrespondent in Washington.
Markus Ziener
Handelsblatt / Korrespondent
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%