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Simeon Djankow: Feuertaufe für einen Weltbanker

Simeon Djankow soll mit IWF-Milliarden Bulgariens Haushaltskrise in den Griff bekommen. Der Weltbank-Experte verfügt über beste Kontakte und soll Vizepremier der neuen Regierung werden - doch zuvor ist die Minderheitsregierung des populistischen Premiers Bojko Borissow auf das Placet des bulgarischen Parlaments angewiesen.

Karl Marx war sein Kaderschmied, doch seine Einstellung hat so gar nichts mit dem Ur-Kommunisten zu tun: Simeon Djankow hat zwar am Karl-Marx-Institut für Wirtschaft studiert. Tatsächlich aber ist der 39-Jährige überzeugter Anhänger der Marktwirtschaft. Nun fällt in Sofia die Entscheidung, ob mit ihm ausgerechnet ein Weltbank-Experte in Kürze über ein Milliarden schweres Hilfspaket des Internationalen Währungsfonds (IWF) für Europas Armenhaus verhandeln muss: Das Parlament von Bulgarien, dem ärmsten Mitgliedstaat der EU, stimmt heute über die neu gebildete Minderheitsregierung des populistischen Premiers Bojko Borissow ab.

Der bisherige Bürgermeister der Hauptstadt hatte Anfang Juli mit seiner Partei Bürger für eine europäische Entwicklung Bulgariens (Gerb) die Wahl erdrutschartig gewonnen und mit 39,7 Prozent der Stimmen 116 der 250 Abgeordnetenmandate geholt. In eine Koalition wollte sich Borissow - der von sich sagt, er lese keine Bücher, sondern schlage so lange auf sie ein, bis sie ihm ihren Inhalt verrieten - nicht zwängen lassen. Und so muss sein Kabinett heute die Feuertaufe bestehen, auch von zersplitterten Rechtsparteien mitgewählt zu werden.

Schlüsselfiguren in Borissows Kabinett sind die Vizepremiers Djankow, der als Finanzminister Bulgariens Haushaltskrise mit Griff nach IWF-Milliarden in den Griff bekommen muss, sowie Gerb-Chef Zwetan Zwetanow als Innenminister. Dabei mus Djankow eng mit Superminister Traitscho Traikow (Wirtschaft, Energie, Tourismus) kooperieren, dem bisherigen Bulgarien-Chef des österreichischen Versorgers EVN.

Djankow wird aber nicht nur wegen seiner 1995 begonnenen Karriere bei der Weltbank seiner Heimat nutzen können - auch seine Frau Caroline, US-Bürgerin und ebenfalls Weltbank-Ökonomin, ist Gold wert - sie hat beste Drähte nach Washington, ins Wirtschaftsteam von Präsident Obama.

Der Hamburger ist nach Stationen als Auslandskorrespondent in Moskau, Brüssel und Warschau jetzt Auslandschef des Handelsblatts. Er interessiert sich besonders für Osteuropa, die arabische Welt und Iran.
Mathias Brüggmann
Handelsblatt / Korrespondent
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