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Sonia Sotomayor: Richterin mit klaren Präferenzen

Die Latina Sonia Sotomayor tritt im Zweifel für positive Diskriminierung von Minderheiten ein - eine Provokation für viele Republikaner. Doch die Kritik an der obersten US-Richterin in spe bleibt ziemlich zahm, die Partei will den Süden nicht leichtfertig verspielen. Fachlich gibt es an Sotomayor nichts auszusetzen.

Eigentlich ist Sonia Sotomayor für jeden gestandenen weißen Republikaner eine Provokation - denn die 55-jährige Richterin macht immer wieder deutlich, dass sie nicht nur gegen jede Diskriminierung vorgeht, sondern im Zweifel auch für positive Diskriminierung von Minderheiten eintritt. "Ich hoffe, dass eine kluge Latina mit ihren reichen Erfahrungen häufiger zu besseren Urteilen gelangt als ein weißer Mann, der nicht ein solches Leben geführt hat", lautet eines der Zitate, die ihr jetzt immer wieder als Beleg für Voreingenommenheit entgegen gehalten werden.

Tatsächlich ist ihre juristische Grundhaltung von ihrer Herkunft geprägt - die Eltern der Obersten US-Richterin in spe kamen in den 40er-Jahren aus Puerto Rico. Aber genau das ist auch der Grund, warum die Kritik der Republikaner in der gestern begonnenen Senatsanhörung ziemlich zahm bleibt: Mit einer Kampagne gegen eine hispanischstämmige Frau würden die Konservativen den Süden endgültig verspielen.

Sotomayor wäre die dritte Frau und die erste Vertreterin der Hispanics überhaupt im Obersten Gericht, was sie in den Augen von Barack Obama bereits für dieses langfristig extrem wichtige Amt qualifizierte. Neben dem wahltaktischen Kalkül war ein anderer Faktor ausschlaggebend: Der US-Präsident lernte Sotomayor zwar erst kurz vor der offiziellen Nominierung kennen, aber die Parallelen zu seinem eigenen gesellschaftlichen Aufstieg waren Obama nicht entgangen. Sotomayor wuchs mit ihrer alleinerziehenden Mutter in einer Sozialwohnung in den Bronx - bevor sie den Sprung an die Eliteuniversitäten Princeton und Yale schaffte.

Fachlich gibt es an Sotomayor nichts auszusetzen. Ihre Karriere begann als Staatsanwältin in New York, später beschäftigte sie sich in einer privaten Kanzlei vor allem mit Wirtschaftsrecht. 1991 ernannte sie George Bush Senior zur Bundesrichterin in New York, Bill Clinton beförderte sie 1997 ans Berufungsgericht. Der Justiz gilt ihr ganzes Leben, wofür sie nach eigener Aussage auch auf Kinder und Familie verzichtete. Dies Liebe kann sie demnächst voll ausleben - und auf Lebenszeit ernannt dem Obersten Gericht für Jahrzehnte ihren Stempel aufdrücken.

Georg Watzlawek
Georg Watzlawek
Handelsblatt Online / Ressortleiter Wirtschaft und Politik
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