Im Profil: Stanley A. McCrystal
Obamas Spezialist für schwierige Operationen

Wer in den Krieg zieht, muss sich blind auf seine Kommandeure verlassen. Dieser Maxime folgt auch US-Präsident Barack Obama, der den Kampf gegen die Taliban zu seinem Krieg gemacht hat. Überraschend hatte der Präsident im Juni Stanley McChrystal (55) an der Spitze der US-Streitmacht installiert. Doch wer ist der Spezialist für komplexe Aufgaben?

Damit wählte Obama einen Spezialisten für komplexe Aufgaben. Der Drei-Sterne-General war fünf Jahre lang für alle Spezialoperationen im Irak zuständig – und gilt als einer der Strategen, die dafür gesorgt hatten, dass auf Bushs Schlachtplatz doch noch eine Stabilisierung eintrat. Seine Leute hatten nicht nur den Diktator Saddam Hussein in seinem Erdloch aufgespürt, sondern auch Musab al Sarkawi, den El-Kaida-Chef im Irak.

Ein ähnliches Wunder soll McChrystal nun im hart umkämpften Süden Afghanistans vollbringen. Für dieses Himmelfahrtskommando, so heißt es in Washington, hat der General weitgehend freie Hand – was die Wahl des Personals wie der Mittel angeht. 400 Offiziere suchte er aus, die sich verpflichten mussten, drei Jahre lang für Afghanistan bereit zu stehen. Diese Forderung verdeutlicht McChrystals Philosophie: Der Krieg gegen islamistische Guerillas ist nicht nebenbei zu gewinnen. Der Asket mit den prägnanten Ohren, der angeblich nur einmal am Tag isst, fordert vollen Einsatz – von sich wie von der Truppe. Wie im Irak will er mit einer deutlich erhöhten Mannschaftsstärke angreifen, die brachiale Aktion aber durch intensive Vertrauensbildung in der Bevölkerung flankieren.

McChrystal ist Absolvent der Militärakademie von West Point, gehörte den Eliteeinheiten Green Berets und Ranger an. Sein Vater hatte noch in Deutschland gekämpft, doch der Sohn verdiente sich seine Sporen im Mittleren Osten, in Saudi-Arabien und Afghanistan. Hier handelte er sich den einzigen Makel in der Akte ein: Nachdem ein Untergebener von einem Kameraden erschossen worden war, hatte McChrystal das Opfer für eine Medaille nominiert – und so den Eindruck eines Heldentodes verstärkt. Doch dabei handelte er im guten Glaube, wie eine erneute Untersuchung jetzt ergab. Denn Obama überlässt nichts dem Zufall.

Georg Watzlawek
Georg Watzlawek
Handelsblatt Online / Ressortleiter Wirtschaft und Politik
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