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Tamás Vahl: Ungarns Draht zu Deutschland

Er soll die ungarische Wirtschaft wieder fit machen: Ungarns neuer Wirtschaftsminister Tamás Vahl gilt als unabhängiger Experte. Zu deutschen Unternehmen hat er eine besonders enge Verbindung.

Die wirtschaftlichen Verflechtungen zwischen Deutschland und Ungarn sind stark. Konzerne wie Audi und Daimler investieren Milliarden in dem Land, der Löwenanteil der ungarischen Exporte geht in die Bundesrepublik. Jetzt bekommt Deutschland sogar indirekt Einfluss in der ungarischen Politik: Wirtschaftsminister des Landes wird Tamás Vahl, bislang Präsident der Deutsch-Ungarischen Industrie- und Handelskammer und Chef des mittelständischen Herstellers von Navigations-Software, Nav N Go.

Das von der Krise arg gebeutelte Ungarn hat seit Dienstag eine Regierung parteiunabhängiger Experten, angeführt vom neuen Premier Gordon Bajnai. Das neue Kabinett soll das Land aus der Misere führen, die Bevölkerung wird sich auf drastische Einschnitte einstellen müssen.

Erst über Ostern hat Bajnai entschieden, welche Experten er sich in sein neues Kabinett holen wird. "Wir wussten nichts davon", sagt Dirk Wölter, Sprecher der Deutsch-Ungarischen Kammer, zu der überraschenden Berufung Vahls zum neuen Wirtschaftsminister. Bajnai und Vahl kennen sich gut, der neue Premier war Vahls Amtsvorgänger im Wirtschaftsressort.

Der 47-jährige Vahl ist erfolgreicher Manager par excellence. Einen Teil seiner Kindheit hat der gebürtige Budapester in Deutschland verbracht, deshalb spricht er sehr gut Deutsch. Die Informationstechnologie ist sein eindeutiges Steckenpferd. Zu seinen früheren Arbeitgebern gehören HP, Siemens, IBM und SAP. Von 2000 bis 2008 war er Chef von SAP Ungarn. Erst seit Dezember vergangenen Jahres stand er an der Spitze des auch in Westeuropa bekannten Budapester Navigationsdienste-Herstellers Nav N Go. Seit 2007 ist Vahl Präsident der Deutsch-Ungarischen Kammer.

Details über das Regierungsprogramm sind noch nicht bekannt. Klar ist jedoch, dass sich auch Tamás Vahl für den strengen Sparkurs aussprechen wird. "Er steht eindeutig für eine parteiunabhängige Linie", sagt Gábor Török, politischer Analyst in Budapest. Premier Bajnai hatte schon vor seiner Wahl angedeutet, dass sich die Unternehmen auf eine Kürzung der staatlichen Subventionen einstellen müssen.

Ungarn muss sparen, deshalb gibt es keine Alternative zu solchen Einschnitten. Und Tamás Vahl wird auch nichts anderes übrig bleiben, als diesen Kurs mitzutragen.

Stefan Menzel ist beim Handelsblatt der Spezialist für die Automobilbranche.
Stefan Menzel
Handelsblatt / Korrespondent Automobilindustrie
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