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US-Botschafter mit Geld und Stil

Phil Murphy, der neue Botschafter der USA in Deutschland, ist in Berlin eingetroffen. Eingeführt hat sich der neue US-Botschafter, Jahrgang 1957, in Berlin mit ausgesuchter Höflichkeit: Er suchte das Gespräch mit der deutschen Gemeinde in Washington schon Wochen bevor er sich zu seinem neuen Job aufmachte.

So traf sich der langjährige Goldman Sachs-Banker mit Vertretern der Wirtschaft und den politischen Stiftungen zum Lunch - und hinterließ er einen hervorragenden Eindruck.

Murphy kam als Zuhörer, der mehr Fragen stellt als selbst Antworten zu geben. Zwar kennt Murphy Deutschland, da er von 1993 bis 1997 das Frankfurter Büro von Goldman Sachs leitete. Aber was den Mann aus Boston viel mehr interessierte, waren die Erwartungen, die die Deutschen an die USA haben. Dabei ist ihm klar, dass er "expectation management" betreiben muss, damit Enttäuschungen nicht all zu groß ausfallen, sollte sich eine Hoffnung nicht erfüllen.

Herausforderungen nahm Murphy schon immer sportlich - auch im Wortsinn. Der Harvard-Absolvent ist leidenschaftlicher Fußballfan, hat vor allem ein Herz für Frauenfußball und ist Miteigentümer und Chef von Sky Blue FC aus New Jersey, einem der Spitzenclubs im amerikanischen Frauenfußball. Für den hochgewachsenen Murphy zählt Teamgeist auch in der Familie. Als er vor seiner Vereidigung zur Anhörung in den Senat musste, brachte er seine sechsköpfige Familie gleich mit.

Nie einen Hehl gemacht hat Murphy aus der Tatsache, dass er über exzellente Verbindungen zum Präsidenten verfügt. Und es ist ebenso wenig ein Geheimnis, dass Murphys Spenden an die Demokraten und an Barack Obama direkt seiner Karriere nicht geschadet haben. Nach Angaben des Center for Responsive Politics haben Murphy und seine Frau in den vergangenen 20 Jahren rund 1,5 Mio. Dollar gespendet - 94 Prozent davon an Demokraten.

Zur Amtseinführung von Obama griff Murphy tief in die Tasche und überwies 100 000 Dollar. Kritiker werden deshalb einwenden, Murphy, der zwischen 2006 und 2009 Finanzchef der Demokratischen Partei war, werde für seine Großzügigkeit belohnt. Allerdings funktioniert so amerikanische Politik: Auch Murphys Vorgänger in Berlin, William Timken, war kein Diplomat - sondern Großspender der Republikaner.

Markus Ziener ist Korrespondent in Washington.
Markus Ziener
Handelsblatt / Korrespondent
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