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Vaclav Klaus: Der Stachel im Fleisch der Europäer

67-Jährige mit dem exakten Schnurrbart ist Gentleman englischer Schule – bis man ihm mit dem Klimawandel oder gar der europäischen Integration kommt. Die Europäische Union stehe „nicht für Freiheit, sondern für Dirigismus“, gab Vaclav Klaus am Vorabend von Tschechiens EU-Beitritt zu Protokoll. Fünf Jahre später ist der Thatcher-Fan noch immer Staatspräsident und europakritisch wie eh und je.

Doch derzeit ist er formal auch der Ratspräsident der EU – und der Mann, von dem zum Schluss das Schicksal des überfälligen EU-Reformvertrages abhängt.

Tschechiens Senat hat diesen Lissabon-Vertrag endlich gebilligt, aber rechtsgültig wird das erst mit Klaus’ Unterschrift. Die wird er am Ende kaum verweigern, doch bis es nach dem zweiten Referendum in Irland im Herbst soweit ist, kostet er jede Minute des Widerstands aus.

Diese arrogante Halsstarrigkeit zeichnet Klaus aus. Sie ebnete ihm den Weg vom Dissidenten, der in der Samtenen Revolution neben Vaclav Havel die Kommunisten verjagte, bis in die Staatsspitze. Als Parteigründer, Finanzminister und Premier peitsche der marktradikale Ökonom Tschechiens Transformation durch, scheiterte dann aber an einem Finanzskandal in seiner bürgerlichen Partei. 2003 wurde er als Nachfolge des alten Konkurrenten Havel Staatspräsident. Seither grummelt der Beau auf der Burg. Zwar reduziert ihn die Verfassung auf einen Grüß-August, aber Tschechiens Polit-Chaos gibt ihm immer wieder Gelegenheit, den parteiischen Schiedsrichter zu spielen.

Mit Lust und überzogenen Positionen wirft sich Klaus in jede Debatte. So auch jetzt: Einige Lissabon-kritische Senatoren hätten die Sache verraten. Ein „Versagen der politischen Elite“ konstatiert er – und spielt auf Prags Entscheidung von 1938 an, sich dem Münchener Abkommen unterzuordnen. Ein absurder Vergleich, der deutlich macht, dass Klaus für die Europäer eine harte Nuss bleibt.

Georg Watzlawek
Georg Watzlawek
Handelsblatt Online / Ressortleiter Wirtschaft und Politik
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