Im Profil: Wu Hongbo
Erfahrener Unterhändler aus Peking

Über persönliche Daten und Hintergründe chinesischer Politiker lässt sich in der Regel wenig in Erfahrung bringen, doch zuweilen haben die Mauern des Pekinger Regierungsviertels undichte Stellen. So sickerte unlängst durch, dass der erfahrene chinesische Diplomat Wu sein Büro im Außenministerium verlassen und nach Berlin gehen soll.

PEKING. Er trägt zum schwarzen Anzug meist einen dunklen Schlips. Und sein lichtes, schwarzes Haar ist immer streng gescheitelt. Wu Hongbo gehört rein äußerlich eher zu den weniger auffälligen chinesischen Diplomaten. Und dazu passt auch, dass man über den Pekinger „Assistenzminister für ausländische Angelegenheiten“ wenig in Erfahrung bringen kann. Denn persönliche Daten und Hintergründe von Politikern sind in China streng geheim.

Doch die dicken Mauern des Pekinger Regierungsviertels haben bisweilen undichte Stellen. Und so macht eine Personalie die Runde: Wu soll im Herbst sein Büro im Außenministerium verlassen und nach Berlin gehen. Dort wird der verheiratete Vater einer Tochter als neuer Botschafter in das ehemalige Büro von DDR-Gewerkschaftschef Harry Tisch am Märkischen Ufer einziehen.

Für seinen neuen Job braucht Wu durchaus diplomatisches Fingerspitzengefühl. Denn das Verhältnis zwischen Peking und Berlin verlief zuletzt nicht immer spannungsfrei. Erfahrung als Brückenbauer hat Wu: So leitete der 57jährige im Herbst die Delegation, die in Berlin den strategischen Dialog der Ministerien wieder in Gang brachte. Dieser war aus Verärgerung über den Empfang des Dalai Lama durch Kanzlerin Merkel ausgesetzt worden.

China sende mit Wu Hongbo einen hochrangigen und international erfahrenen Beamten nach Berlin, heißt es in Diplomatenkreisen. Dem Chinesen, der Ende der siebziger Jahre in Neuseeland studiert hat, wird zudem eine gewisse Weltoffenheit bescheinigt. Allerdings gilt Wu auch als linientreuer und eher knöcherner Parteimann. Zudem sei Wu der erste Botschafter Chinas in Berlin, der kein Deutsch spreche.

Als Chefunterhändler der Pekinger Regierung verhandelte er mit den Briten die Rückgabe Hongkongs an China. Es war die große Bewährungsprobe seiner Laufbahn. Damals betonte er, „dass wir das, was wir sagen, ernst meinen“. Das wird auch sein Credo als Botschafter in Berlin sein.

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