Im Sog der Bankenkrise
Bretton Woods – oder das böse Erwachen aus einem Rausch

Jetzt, da das Kind in den Brunnen gefallen ist, wacht die Politik auf und ruft nach einem "internationalen Plan zur Stärkung des Finanzsystems". Schon macht die Notwendigkeit einer Neuauflage des Bretton-Woods-Abkommens die Runde. Doch auch das Vertragswerk von 1944 hatte seine Probleme.

FRANKFURT. Hätten die Politiker in den vergangenen Jahren nur ein Mal darüber nachgedacht, wohin in einer globalisierten Welt das Festhalten an nationalen Verhaltensweisen in der Finanzmarktaufsicht, der Geld- und Finanzpolitik führt, hätte sich die aktuelle Finanzkrise womöglich vermeiden lassen.

Schon seit drei Jahren läutet die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) die Alarmglocken. "Was wir brauchen, ist eine große institutionelle Reform auf internationaler Ebene", mahnte in diesem Frühjahr der langjährige BIZ-Chefökonom Bill White. "Die Lösungen müssen international sein, denn wir haben globale Probleme." Damit ein Umdenken möglich werde, müssten die Schwierigkeiten vermutlich aber noch viel größer werden, sagte White. Sonst würden sich die Staaten kaum von ihren gewohnten nationalen Handlungsrahmen trennen. Selbst die Geldpolitik sei darauf ausgerichtet, national stabile Preise zu gewährleisten.

Harald Benink, Finanzexperte an der niederländischen Universität Tilburg, sieht in dem jetzt diskutierten internationalen Plan zur Stärkung des Finanzsystems lediglich ein Ablenkungsmanöver. "Die Politiker lenken ab von dem, was jetzt akut auf den Nägeln brennt", sagte Benink. "Die Unterkapitalisierung vieler Banken, die Notwendigkeit einer europäischen Bankenaufsicht, das Prozedere für ein paneuropäisches Krisenmanagement." Von der Aufgabe nationaler Zuständigkeiten, die mit einem neuen Bretton-Woods-Abkommen verbunden wäre, seien die Staaten noch weit entfernt. Dazu müsse es noch schlimmer kommen.

Im Juli 1944 war in Bretton Woods, im amerikanischen New Hampshire, die "Internationale Währungs- und Finanzkonferenz der Vereinten und Assoziierten Nationen" einberufen - und nach den Wirren des Zweiten Weltkriegs der Grundstein für einen wirtschaftlichen Neuanfang gelegt worden. Neun Monate vor Kriegsende unterzeichneten unter der Regie von US-Präsident Franklin D. Roosevelt 45 Staaten das "Bretton-Woods-Abkommen". Die tragenden Institutionen der Währungsordnung der Nachkriegszeit, der Internationale Währungsfonds und die Weltbank, wurden aus der Taufe gehoben.

In dem Vertragswerk verpflichteten sich die Staaten, vereinbarte Regeln einzuhalten, in Fragen der internationalen Währungspolitik und des zwischenstaatlichen Zahlungsverkehrs eng zusammenzuarbeiten und sich finanzielle Hilfe zu leisten. So sollte der Welthandel gefördert werden; Beschäftigung und Realeinkommen sollten ein möglichst hohes Niveau erreichen. Die in den 30er-Jahren begangenen Fehler einer isolierten, nur an nationalen Interessen orientierten Politik sollten sich nicht wiederholen.

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