Im Volk wachsen Ressentiments gegen die EU
Streit der Europäer macht Türken ratlos

Bis zur letzten Minute haben die EU-Mitglieder über die Bedingungen für Beitrittsgespräche mit der Türkei gefeilscht. Der Kompromiss hat zwar dafür gesorgt, dass die eigentlichen Verhandlungen doch noch wie geplant starten konnten. Doch bei den Türken wächst der Frust über die Vorbehalte der künftigen Partner.

ANKARA. Nach dem verpatzten Auftakt der EU-Beitrittsgespräche herrschte in der Türkei eine Mischung aus Erleichterung und Ratlosigkeit. Die Türkei akzeptierte zwar das späte Angebot der Europäer und schickte ihren Außenminister Abdullah Gül nach Luxemburg, um die Verhandlungen zeremoniell zu eröffnen. Doch Ministerpräsident Tayyip Erdogan sah keinen Anlass für Zugeständnisse: „Wir haben unsere Position verteidigt und werden sie weiter verteidigen, wie es den nationalen Interessen der Türkei entspricht“, sagte der Premier. Die als historisch eingeschätzten Beitrittsverhandlungen zwischen der EU und der Türkei hätten am Montag um 17 Uhr beginnen sollen. Doch erst in allerletzter Minute gab Österreich seine Zustimmung, so dass gegen Mitternacht tatsächlich die Gespräche offiziell aufgenommen werden konnten.

Für Erdogan ist der verpatzte Verhandlungsbeginn eine empfindliche Niederlage. Er hat sein politisches Schicksal eng mit der EU-Bewerbung verknüpft und die notwendigen Reformen gegen starke Widerstände auch in der eigenen Partei durchgesetzt. Der Premier kann jetzt nur darauf hoffen, dass es schnell gelingt, die Kandidatur trotz des schlechten Starts schnell voranzutreiben.

Das ohnehin beschädigte Ansehen der EU in der Türkei hat durch das Hin und Her weiter gelitten. Bereits in der vergangenen Woche registrierten Meinungsforscher einen Stimmungsumschwung: Waren noch vor Jahresfrist fast 80 Prozent der Türken für den EU-Beitritt, sind es nach jüngsten Umfragen nur noch 57 Prozent. Über 61 Prozent sagen, sie hätten „kein Vertrauen“ mehr in die EU.

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