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22.07.2008 
Standorte der Zukunft

Im Windschatten der Expo

von Anne Grüttner

Früher verschlafen, heute wachstumsstark: Saragossa und Umgebung mausert sich zum Logistikzentrum Spaniens. In keiner Region des Landes entwickelt sich die Wirtschaft so gut wie hier - auch dank der gerade laufenden Weltausstellung.

Das Eröffnungsfeuerwerk der Expo 2008 in Saragossa: Auch dank der Weltausstellung zieht das Wachstum in der Region an. Foto: dpaLupe

Das Eröffnungsfeuerwerk der Expo 2008 in Saragossa: Auch dank der Weltausstellung zieht das Wachstum in der Region an. Foto: dpa

MADRID. Fast geräuschlos fährt der Zug in den Bahnhof Saragossa-Delicias ein – genau in eines der wichtigsten Bauprojekte im Westen der Stadt. Seit der erste Abschnitt des Bahnhofs 2003 in Betrieb genommen worden ist, ist er ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt für die Region. Und bis 2015 soll er noch wichtiger werden. Dann nämlich soll er vollständig genutzt werden können – mit U-Bahn, S-Bahn Saragossa und Hochgeschwindigkeitsstrecken. Schon jetzt fährt vor dem Eingang eine Seilbahn; sie führt über den Fluss Ebro direkt auf das Gebiet der Weltausstellung, die hier seit Mitte Juni läuft. Das Motto: „Wasser und Nachhaltige Entwicklung“.

Die Expo trägt einen wichtigen Teil dazu bei, dass die ehemals verschlafene Region Aragón mit ihrer Hauptstadt Saragossa seit 2006 stärker als der spanische Durchschnitt wächst und im vergangenen Jahr mit einem Wirtschaftswachstum von 4,5 Prozent sogar an der Spitze aller autonomen Regionen Spaniens stand. Rund 1,5 Mrd. Euro investierte Spanien im Zuge der Weltausstellung: in die Komplettierung der dritten und vierten Ringstraße, den Ausbau von Flughafen und Bahnhof, eine neue Vorortzuglinie, die Verschönerung des Ebro-Ufers und in das Expo-Gelände selbst. Im ersten Monat hat die Weltausstellung mit ihren vielen architektonischen Höhepunkten schon 1,25 Millionen Besucher angezogen.

Doch die Weltausstellung ist nicht der einzige Motor dieser Region. Seit Anfang der 80er-Jahre war sie eigentlich auf die Automobilindustrie festgelegt. Damals eröffnete General Motors (GM) sein erstes spanisches Werk in Saragossa und zog den üblichen Tross an Zulieferern nach sich. Noch heute ist GM allein für die Hälfte der Exporte Aragóns verantwortlich. Doch seit kurzem schickt die Region sich an, zum Logistikzentrum des iberischen Raums zu werden.

Die Voraussetzungen dafür sind gut. Saragossa liegt in der Mitte der vier größten spanischen Städte Madrid, Barcelona, Valencia und Bilbao. Damit hat sie etwa 80 Prozent der Wirtschaftsleistung und 60 Prozent der Bevölkerung in einem Radius von 300 Kilometer um sich versammelt. „Aragón ist zu einem Knotenpunkt geworden“, sagt Alberto Larraz, Wirtschaftsminister der autonomen Region Aragón. In den vergangenen Jahren wurde mit einer Reihe öffentlich-privater Initiativen die Basis für ein neues Entwicklungskonzept gelegt.

Da gibt es eine installierte Windkraftkapazität von stolzen 1 700 Megawatt; bis 2011 sollen es gar 4000 Megawatt werden. Es gibt mehrere biotechnologische Forschungszentren und eine Reihe von Technologieparks, darunter den 800 Hektar großen Recycling-Technologiepark Lopez Soriano, in dem erstmals Recyclingfirmen zusammen mit potenziellen Kunden angesiedelt werden.

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