Imagewandel bei Englands Konservativen
Mein Name ist Optimismus

Neues Logo, neue Medien, neue Show – der Chef der britischen Konservativen, David Cameron, will seine Partei vom Image der sozialen Kälte befreien. Und erinnert dabei an den jungen Tony Blair.

LONDON. Bevor David Cameron spricht, muss das Rednerpult umgebaut werden. Der Parteichef der Tories braucht ein besonders schmales Pult. Die ganze schlanke Gestalt soll hinter dem stehen, was er sagt. Vor allem, wenn er sich nun, zum Abschluss des Toryparteitags in Bournemouth, anschickt, Labour seine beste Waffe aus der Hand zu schlagen.

„Tony Blair fasste einst seine Prioritäten in drei Wörtern zusammen: Bildung, Bildung, Bildung. Mir reichen drei Buchstaben: NHS“. Cameron redet ruhig und eindringlich. Er klopft nicht einmal mit dem Finger auf das Pult. Aber es ist, nach einer Woche flotter Politikschwenks, der kühnste – und er spart ihn bis zuletzt auf. Die Tories, von Blairs Labour-Partei jahrelang als Zerstörer des steuerfinanzierten, für Endverbraucher kostenlosen „National Health Service“ hingestellt, bauen sich nun als Schutzengel dieses Gesundheitssystems auf. Und Cameron bürgt dafür mit seiner eigenen Familie und den Erfahrungen, die er mit seinem behinderten Sohn Ivan im NHS machte. „Wenn eine Familie sich die ganze Zeit auf den NHS verlässt, Tag für Tag, Nacht für Nacht, dann weiß man, wie wertvoll er ist.“

Ein paar Tage zuvor steht Cameron, der am Montag 40 wird, im grünen Polohemd, Chinos und Leinenschuhen in der St. Mary’s Kirche in Bournemouth. Ein paar kraftvolle Hammerschläge, es staubt, dann hat er ein Loch in die Pappwand gehauen und kann den Gipskarton abreißen. Die Tories verwandeln die seit Jahren unbenutzte Kirche in ein Bürgerzentrum. Sie wollen nicht nur reden, sondern ihr neues Konzept in der Praxis vorführen: soziale Mitverantwortung. Es ist ein flottes „Make-over“ nach Art einer Reality-TV-Show, in der verwohnte Häuser in heimelige Behausungen verwandelt werden. Und wenige Fernseh-Moderatoren können wie Cameron gleichzeitig hämmern und in die Kamera lächeln.

Der Fototermin ist die TV-Metapher für das, was Cameron mit der Torypartei macht. Ein Make-over. Und der Parteitag war der Moment, in dem die Parteifreunde, wie die Familie in einer Make-over-TV-Show, in ihre umgebaute Wohnung zurückkehren und sich freudig und bestürzt die Augen reiben.

Als Cameron vor zehn Monaten zum neuen Torychef gewählt wurde, versprach er, die Partei „umzukrempeln, dass man sie nicht wiedererkennt“. Und er verführte die Tories, seit dem Sturz Margaret Thatchers zerstritten und von den britischen Wählern verachtet, mit einer wunderbaren Vision: „Ich möchte, dass man sich wieder wohl fühlen kann, ein Konservativer zu sein.“ Nun klebt in Bournemouth überall das neue freundlich grüne Tory-Logo. Ein mit flotter Hand gekritzelter Eichenbaum hat die alte Fackel in der Faust ersetzt. Hinter dem Rednerpult sind Fotos mit Bäumen angebracht, durch deren frisches Laub die Frühlingssonne dringt. „Wenn ihr wissen wollt, wer ich bin, kann ich das in einem Wort zusammenfassen: ,Optimismus’“, ruft Cameron. „Lasst den Sonnenschein herein.“

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