Immenser Finanzbedarf vermutet
Griechenland könnte zum Fass ohne Boden werden

Der Finanzmarkt gewährt Griechenland eine Atempause, die Spekulationen über den wirklich Finanzbedarf gehen dennoch weiter. Bis zu 100 Milliarden Euro könnten zusätzlich notwendig werden. Das sorgt für Unruhe in Berlin.
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Berlin/DüsseldorfGriechenlands zusätzlicher Bedarf an Finanzhilfe sorgt europaweit für Unruhe. Grund sind Medienberichte, wonach das Mittelmeerland deutlich mehr Geld braucht, um eine Pleite abzuwenden. So berichtete die Nachrichtenagentur Dow Jones, im Juni werde ein zusätzliches Kreditpaket von 60 Milliarden Euro für Griechenland beschlossen. Die griechische Zeitung "Kathimerini", berichtet gar, dass der Internationale Währungsfonds (IWF) ein Paket von 80 bis 100 Milliarden für die Jahre 2011 bis 2013 vorschlage.

Eine offizielle Bestätigung für die Zahlen gibt es nicht. Die Experten von EU-Kommission, Europäischer Zentralbank (EZB) und IWF prüften derzeit in Griechenland routinegemäß die Lage des Landes, hieß es von einem EU-Diplomaten in Brüssel am Dienstag. Es stehe daher nicht fest, ob der hoch verschuldete Euro-Staat noch mehr Kredithilfe benötige. Jegliche Zahlen, die über die Höhe neuer Hilfen kursiere, seien falsch. "Es gibt keine formellen Verhandlungen", ergänzte er.

Ungeachtet des Dementis deutet die aktuelle Gemengelage darauf hin, dass Griechenlands Finanznöte deutlich dramatischer sind als bisher bekannt. Nach Expertenschätzungen könnte Athen bereits in diesem Jahr vor einer Finanzierungslücke von bis zu sieben Milliarden Euro stehen. Hauptgrund: massive Steuerausfälle infolge der schweren Rezession, die immer mehr griechische Unternehmen in die Pleite treibt.

Die Annahme, der Refinanzierungsbedarf des Landes sei für dieses Jahr durch die Rettungskredite der Eurostaaten und des IWF gedeckt, ist jedenfalls nicht mehr haltbar. Bereits im ersten Quartal lagen die Einnahmen nach Angaben des Finanzministeriums in Athen um knapp 1,4 Milliarden Euro unter dem Plan. Im April habe sich das Steueraufkommen zwar etwas erholt, heißt es inoffiziell im Athener Finanzministerium.

In Finanzkreisen der griechischen Hauptstadt und bei den öffentlichen Gläubigern des Landes rechnet man jedoch damit, dass die EU und der IWF bereits in den nächsten Monaten weitere Hilfsgelder locker machen müssen, zusätzlich zu den bereits für dieses Jahr zur Auszahlung vorgesehenen Teilbeträgen des 110-Milliarden-Pakets, das die Eurostaaten und der IWF vor einem Jahr bereitstellten. Das Thema dürfte das Treffen der EU-Finanzminister am kommenden Montag und den Europäischen Rat beschäftigen, der Ende Juni zusammentritt.

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  • Papandreou vs. Merkel: 10:0

    Regierungschef Giorgos Papandreou agiert äußerst klug.

    FTD zitiert 'Eurokreise': "Die politische Spitze des Landes ist sich offenbar der Brisanz der Lage für Griechenland und die gesamte Eurozone nicht bewusst."

    Das sehe ich völlig anders:
    Warum noch das Tafelsilber verkaufen, wenn das System ohnehin zum Zusammenbruch steht?

    Der Mann hat maximal für sein Volk herausgeholt. Während hiesige Arbeitnehmer mit dem Titel "XXL-Vizeexportweltmeister abgespeist werden, hat Papandreou sein Volk mit rund 150.000 Euronen aus Brüssel Extra-Zulage beglückt. Das nenne ich soziale Politik, die beim Volk ankommt. Wie in Spanien oder Portugal haben sich unzählige Griechen in den vergangenen Jahren mit Eigentum zugedeckt und somit für eine sichere Altersvorsorge im heizkostengünstigen Süden gesorgt - und dank dieser Politik Angela Merkel umso mehr an der Angel.

    Griechenland hat dank großzügiger Bürgschaften und Garantien aus Deutschland realtiv wenig zu befürchten. Im Gegenteil: Gläubiger werden Athen dankbar sein, ihr Soll künftig und zeitnah in Berlin einfordern zu können.

    Ich halte das Verhalten der griechischen Führung in diesem Ponzi-System für vollkommen realitätsnah.

    Zumal bereits EU-Ratspräsident Jean-Claude Junker am Wochenende anmerkte: "Wir wollen nicht, dass der Euro-Raum ohne Grund explodiert". Das klingt bedrohlich nach einem Eingeständnis einer "Blase" von höchster Stelle.

  • Konsequenz der ganzen Sache.

    Erpressbarkeit bis in alle Ewigkeit !

    In der Situation gibt es eigentlich nur eine Lösung, die ich wohl nicht nennen muß. Aber beim Dummichel habe ich so meine Bedenken.

  • Die ganze Welt ist mittlerweile zu einem Stall verkommen.
    Früher dachte ich immer, die einzigen die man nicht zwingen kann ihr Schulden zu zahlen wären die Amerikaner.
    Aber ich ahne schlimmes .......

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