Immer mehr Reservisten müssen eingesetzt werden
US-Armee klagt über Engpässe im Irak

Auf Grund der hohen Truppenpräsenz am Golf warnen US-Experten vor einer Überstrapazierung der amerikanischen Streitkräfte. „Ein massiver Armee-Einsatz wie im Irak ist etwa in Iran bei einer dreimal so großen Landmasse nicht machbar“, betont John Tkacik von der Heritage Foundation, einer konservativen Denkfabrik in Washington.

HB WASHINGTON. Das Militär stoße an seine Grenzen, mahnen Verteidigungsspezialisten gleich welcher politischer Couleur. Derzeit sind rund 138 000 US-Soldaten im Irak stationiert. Militärs klagen trotz des verstärkten Einsatzes von Nationalgarde und Reservisten über Rekrutierungsprobleme. Viele US-Kräfte befinden sich auf ihrer zweiten, dritten oder gar vierten Entsendung in den Irak. Präsident George W. Bush hat es jedoch ungeachtet der wachsenden Unzufriedenheit im eigenen Land abgelehnt, den Zeitplan für einen Rückzug vorzulegen. Er baut darauf, dass irakische Sicherheitskräfte zunehmend den Job der Amerikaner übernehmen können – bislang aber ohne großen Erfolg.

Das US-Verteidigungsministerium zieht jetzt offenbar Konsequenzen aus den Kapazitäts-Engpässen am Golf. Wie die „New York Times“ am Dienstag berichtete, will sich das Pentagon von seiner alten Strategie verabschieden, zwei Kriege gleichzeitig führen zu können. Künftig soll das US-Militärs dazu fähig sein, neben dem weltweiten Kampf gegen den Terror höchstens noch einen weiteren größeren Konflikt zu bewältigen. Das Verteidigungsministerium will dem Kongress bis Anfang 2006 eine neue Strategie im Rahmen einer alle vier Jahre fälligen Grundsatz-Studie vorlegen. Bislang hatte das US-Militär den Anspruch, notfalls zwei konventionelle Einsätze von der Größe des Golfkrieges 1991 oder der Irak-Invasion 2003 parallel austragen zu können.

„Im Zeitalter des Terrorismus ist diese Doktrin nicht mehr realistisch“, sagte ein hochrangiger Pentagon-Beamter dem Handelsblatt. US-Militärs geben zu, dass der Irak-Krieg traditionelle Kategorien über den Haufen werfe: Auf der einen Seite sei er kein klassischer konventioneller Einsatz unter Einbeziehung von Luftwaffe und Marine. Auf der anderen Seite binde er wesentlich mehr Soldaten als eine „Peacekeeping“-Mission. „Was wir für den Sieg in einem konventionellen Krieg brauchen, unterscheidet sich von den nötigen Instrumenten in einem Anti-Terror-Feldzug“, unterstreicht Loren Thompson vom Lexington Institute, einer auf Sicherheitspolitik spezialisierten Denkfabrik in Arlington. „Umgekehrt hat die Niederschlagung eines Aufstandes relativ wenig mit dem Kampf gegen die Verbreitung von Atomwaffen zu tun. Wir können uns nicht alles auf einmal leisten.“

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