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06.01.2009 
Immobilienkrise

Immobilienkrise: Drei, zwei, eins ... Deins!

von Christine Mattauch

In der Krise braucht es kreative Köpfe: Immer mehr verzweifelte und hochverschuldete Amerikaner verlosen ihre Häuser, um trotz Immobilienkrise noch einen akzeptablen Preis zu erzielen. Zu gewinnen gibt es echte Schnäppchen – und so manchen Fallstrick.

Wer Glück hat, kann wahre Schmuckstücke in einer privaten Lotterie gewinnen. Foto: dpaLupe

Wer Glück hat, kann wahre Schmuckstücke in einer privaten Lotterie gewinnen. Foto: dpa

NEW YORK. Vor vier Jahren war es für Karen Korponai das Traumhaus: ein großzügiger Bungalow mit Seeblick und Palmen vor der Tür, in einer Siedlung mit Clubhaus und Tennisplatz in Florida. Die Arbeitsstelle der Produktmanagerin lag nur 15 Autominuten entfernt. „Das war perfekt für mich“, schwärmt Korponai noch heute. Kurz entschlossen nahm sie einen Kredit auf und kaufte.

Nun ist das Haus wieder auf dem Markt – genauer gesagt: Man kann es gewinnen. Der Einsatz beträgt 55 Dollar plus ein Urlaubsfoto. Wer das schönste Bild einsendet, dem überlässt Karen Korponai ihr Traumhaus.

Sie muss verkaufen, aber sie will einen guten Preis erzielen, und das geht in der Immobilienkrise nur mit kreativen Ideen.

Wie Korponai versuchen in den USA immer mehr verzweifelte Hauseigentümer, ihre Immobilien per Glücksspiel loszuwerden. Die Idee klingt verrückt, hat aber Charme. Für die Teilnehmer sind die Haus-Lotterien attraktiv, weil die Einsätze nicht gering und die Teilnehmerzahlen begrenzt sind. Meist „spielen“ nur einige Tausend Bewerber mit, die Gewinnchancen liegen also weit höher als im Zahlenlotto. Die Hausbesitzer profitieren vom Masseneffekt: Wenn genügend Spielernaturen ihr Glück versuchen, kommt mehr Geld zusammen als bei einem klassischen Verkauf. Das lockt vor allem jene, deren Haus auf dem freien Markt weniger wert ist als die Schulden, die sie zu seiner Finanzierung aufgenommen haben.

Und das sind derzeit sehr viele. Etwa die Lehrerin Karen Crawford und ihr Mann Dennis Kelly: Das Ehepaar hatte in Hancock, Maryland, ein Landhaus für 375 000 Dollar erworben. Vor einem Jahr wurde ihnen klar, dass sie den Kredit nicht mehr bedienen konnten. Sie schlossen sich mit der Kinderhilfsorganisation San Mar zusammen, boten Lose für je 100 Dollar an – und verkauften fast 6 500 Stück. Crawford und Kelly konnten ihren Kredit abbezahlen. San Mar blieben nach Abzug aller Kosten 214 000 Dollar Spenden. Und der neue Eigentümer, der Justizangestellte Dennis Weaver, konnte sein Glück nicht fassen: „Ich wollte nur San Mar helfen und habe niemals damit gerechnet, dass ich gewinne.“

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