In Afghanistan verschleppt
Entführter in Deutschland mit Haftbefehl gesucht

In Afghanistan ist erneut ein Deutscher verschleppt worden. Es handelt sich um einen 42-jährigen Mann, der schon lange in Afghanistan lebt und mit einer Afghanin verheiratet ist. Die örtlichen Behörden sprechen von einem Familiendrama. In Deutschland wird der Mann mit Haftbefehl gesucht.

HB BERLIN. Der Bonner Staatsanwalt Jörg Schindler sagte der „Berliner Zeitung“ (Dienstag), Kleber sei wegen des Verdachts der Veruntreuung von Hilfsgeldern seit dem 2. Februar 2007 bundesweit zur Fahndung ausgeschrieben. Es gebe bisher aber keinen internationalen Haftbefehl.

Die Staatsanwaltschaft Bonn bestätigte, dass ein Ermittlungsverfahren laufe. „Es gibt eine Strafanzeige, und dann müssen wir ja ermitteln“, sagte Oberstaatsanwalt Fred Apostel.

Nach Angaben der Zeitung hatte die Hilfsorganisation „Grünhelme“ am 20. September 2006 bei der Staatsanwaltschaft Berlin Strafanzeige erstattet. Dem Mann werde vorgeworfen, als Aufbauhelfer beim Bau einer Schule in Afghanistan 87 300 Euro unterschlagen zu haben.

Die afghanische Polizei hat unterdessen die Entführung des Deutschen in der westafghanischen Provinz Herat bestätigt. Unbekannte Bewaffnete hätten das Auto mit ihm, seiner afghanischen Ehefrau und seinem Schwager gestoppt und den Bundesbürger aus dem Wagen gezerrt, sagte Herats Polizeichef Mohammad Juma Azim. Die Polizei habe die Suche nach dem Mann aufgenommen.

Ein politischer Hintergrund ist nach den Worten des Polizeichefs unwahrscheinlich. Es handle sich eher um ein Familiendrama, sagte er. Der zum Islam konvertierte Mann hatte von 2003 bis 2005 für die Hilfsorganisation „Grünhelme“ von Rupert Neudeck gearbeitet und war am Bau von 26 Schulen beteiligt. Nach Angaben der Polizei heiratete er vor zwei Jahren eine afghanische Frau, die sich zuvor von ihrem Cousin getrennt hatte.

Nach Darstellung Adeels kam es dadurch zu einem Zerwürfnis in der Familie, das letztendlich zu der Verschleppung geführt habe. „Aus meiner Sicht ist es eine persönliche Auseinandersetzung wegen der Vergangenheit seiner Frau, deren erster Ehemann ihr Cousin war. Wir wissen nicht genau, ob sie von ihm geschieden ist oder nicht“, sagte er.

Eine Sprecherin des Auswärtigen Amts wollte sich zunächst nicht zu Einzelheiten äußern. „Wir bemühen uns um eine Aufklärung“, sagte sie lediglich.

In Afghanistan wurden in den vergangenen Monaten immer wieder Ausländer entführt, darunter auch mehrere Deutsche. Zwei Deutsche kamen im vergangenen Sommer nach wenigen Tagen Geiselhaft frei.

Tragisch verlief dagegen die Entführung zweier deutscher Bauingenieure und ihrer fünf afghanischen Kollegen durch die radikalislamischen Taliban. Der 43-jährige Rüdiger Diedrich wurde am 21. Juli erschossen aufgefunden. Sein Kollege Rudolf Blechschmidt kam erst nach fast drei Monaten am 10. Oktober frei. Mit ihm wurden auch seine entführten afghanischen Begleiter auf freien Fuß gesetzt.

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