In der Energiefalle
China geht der Strom aus

Die „Dreckschleuder der Welt“ wächst schneller als erwartet. China wird in den kommenden Jahren viel mehr Energie benötigen als bisher angenommen und damit den Wandel zur grünen Stromerzeugung kaum schaffen. Neue Kraftwerke müssen her.

PEKING. Zumindest muss nach einer Studie der Beratungsfirma Cap Gemini der Strombedarf für die kommenden Jahre „deutlich nach oben korrigiert“ werden. Die von Peking für 2020 geplante Kraftwerkskapazität von 950 Gigawatt sei um fast ein Drittel zu niedrig angesetzt.

„China unterschätzt bislang sein Wachstum ganz gewaltig“, erläutert Bernd Wöllner, Leiter des Energiebereichs bei Cap Gemini in Europa. Nach der Studie werden bei einem weiteren Wirtschaftswachstum von 6,5 Prozent jährlich weitere 48 Gigawatt an Stromkapazitäten pro Jahr benötigt. Dies entspreche bis 2020 jährlich „etwa 40 Prozent der gesamten deutschen Erzeugungskapazität“.

Mit dieser gewaltigen Korrektur bleibt China stark von der Kohle abhängig, heißt es in der gemeinsam mit Electricité de France (EdF) erstellten Studie, die diese Woche in Deutschland veröffentlich werden soll. Der Plan, die Abhängigkeit von der Kohle zu verringern, sei „unrealistisch“. In 15 Jahren werden nach der Untersuchung weiterhin zwei Drittel der gesamten Stromerzeugung aus mit Kohle befeuerten Kraftwerken kommen. „China bleibt die Dreckschleuder der Welt“, so Wöllner.

Peking werde mit seinem Energiemix die Kyoto-Standards nicht erreichen, ist der Experte überzeugt, da die meisten Kohlekraftwerke in China ohne Filteranlagen arbeiten. Spätestens 2025 wird China nach Ansicht von Experten die USA beim Ausstoß von Kohlendioxid (CO2) überholt haben. Das Kyoto-Protokoll ist ein Uno-Rahmenabkommen zum freiwilligen Klimaschutz. Als Entwicklungsland ist China von den Verpflichtungen ausgenommen. Und China will auch keine Auflagen zur Verringerung seiner Treibhausgase akzeptieren, um seine Wirtschaftsentwicklung nicht zu bremsen. „China mag keine Begrenzungen“, sagt Klimaforscher Zhuang Guiyang von der Akademie der Wissenschaften in Peking. Mit steigendem Wohlstand und Energieverbrauch seien höhere Emissionen eben „unvermeidlich“.

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