In der Espresso-Bar
Was der Italiener über den Griechen denkt

Viele Italiener sind solidarisch mit den Griechen. Andere verurteilen sie als noch gerissener als die Italiener. In einem scheinen alle einig: Angela Merkel darf nicht alleine kommandieren. Ein Stimmungsbild aus Mailand.
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MailandAcht Uhr morgens in der Bar Kinky. Hinter der Theke dampft die Espresso-Maschine. Auf dem Fernseher in der Ecke laufen Bilder von Griechenlands Premier Alexis Tsipras über den Bildschirm. Ich trinke meinen Cappuccino und will wissen, was die anderen Bar-Besucher von der Griechenland-Krise halten.

„Die Lage der Menschen ist dramatisch“, sagt Franca, eine Frau mittleren Alters. Auf Bundeskanzlerin Angela Merkel ist sie gar nicht gut zu sprechen: „Eisig, kalt, herzlos. Diese Frau macht mir Gänsehaut“, sagt sie abschätzig. Ich frage sie, ob man nicht vielleicht auch die Reichen in Griechenland stärker besteuern sollte. „Klar, aber nicht nur in Griechenland, auch in Italien!“ Sagt es und verlässt die Bar.

Auf Merkel sind auch die anderen nicht gut zu sprechen: „Erst zahlt Deutschland die Kriegsschulden nicht und jetzt führt sich Merkel als Königin Europas auf“, ärgert sich auch der Massimo Ciofetti, der auf dem Weg zur Arbeit einen Kaffee nimmt. Dabei ist der Unternehmer kein Griechenland- oder Tsipras-Fan: „Erst haben sie ihren Haushalt gefälscht und jetzt sagen sie einfach: Wir zahlen nicht. Das geht nicht!“

Aber dass Merkel mit Frankreichs Präsidenten Francois Hollande – der in den Umfragen der unbeliebteste Regierungschef in Europa sei – alles alleine bestimmen will, das gehe auch nicht, findet Ciofetti. Zahlen müssten schließlich alle. „Die Deutschen glauben, sie seien der Deus Ex Machina in Europa – zum Schaden der anderen“.

Da mischt sich auch die Bar-Besitzerin Silvia ein, die hinter der Theke den nächsten Espresso bereitet. Eigentlich will sie nicht über Politik reden: „Wenn ich es richtig verstanden habe, sind wir eine Europäische Gemeinschaft, und wir müssen zusammen die Zukunft Griechenlands entscheiden. Warum entscheiden dann nur Deutschland und Frankreich?“ Silvia, die auch Zeitungen in ihrer Bar verkauft, holt das Magazin Espresso hervor und zeigt mir den Artikel über die Deutschen, die sich zu Schnäppchenpreisen Unternehmen und Immobilien in Griechenland kaufen.

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Was der Italiener über den Griechen denkt

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„Wir müssen Tsipras Zeit geben“

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  • Auch bei den Portugiesen, Maltesern, Spaniern, Südfranzosen wird man als Norderopäer das Gleiche hören. El Mediterráneo y los Bárbaros del Norte

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