In der Islamischen Republik Iran wachsen die sozialen Probleme – und das bürgerschaftliche Engagement
Im Schattenreich der Mullahs

Hinter Teherans großem Basar werden die Straßen staubiger, die Häuser kleiner und grauer – einstöckig: Plötzlich wirkt die Zwölf-Millionen-Metropole wie ein verfallenes Dorf.

TEHERAN. Wer zum Grab Ajatollah Khomeinis will, muss ausgerechnet hier lang, durch einen Teil der Stadt, in dem die sozialen Schattenseiten der Islamischen Republik Iran zu besichtigen sind: Arbeitslosigkeit, Straßenkinder, Drogenmissbrauch.

Mitten in der Tristesse kleben die Wahlplakate der Kandidaten für das Präsidentenamt. Am 17. Juni sind 46 Millionen Iraner aufgerufen, an die Urnen zu gehen. Das Land steht am Scheideweg: Die religiösen Herrscher sehen sich nicht nur mit schwierigen außenpolitischen Themen wie dem Atomkonflikt mit den USA und der EU konfrontiert, sondern auch gerade die sozialen Probleme im bevölkerungsreichsten Land des Mittleren Ostens wachsen und verschärfen die Spannungen im Innern.

Enttäuscht von der Blockade zwischen den politischen Reformern und den Hardlinern, haben viele Iraner in den vergangenen Jahren ihr Schicksal selbst in die Hand genommen und sich zu unabhängigen Gruppen, kurz NGOs (Nichtregierungsorganisationen), zusammengeschlossen. Manche Beobachter rechnen, dass es im Staat der Mullahs inzwischen bis zu 15 000 unabhängige Gruppen gibt. Alleine 800 Vereine haben sich der Jugendarbeit verschrieben. Seit dem Antritt der reformorientierten Regierung Chatami vor acht Jahren hat sich die Zahl der Gruppen verdoppelt.

Nicht weit vom großen Basar in einem Gewirr enger Gassen arbeitet Frau Bashidi. Die gelernte Dolmetscherin leitet eine Schule und ein Jugendzentrum, das Raum für gut 200 Kinder bietet. In ihrer Freizeit kämpft Bashidi dagegen, dass Kinder und Jugendliche aus den Armenvierteln in den gleichen Teufelskreis aus Arbeitslosigkeit und Drogen wie ihre Eltern geraten.

Rund die Hälfte erhält hier eine schulische Grundausbildung. Diejenigen, die bereits den ganzen Tag schuften oder auf den Straßen betteln, können hier zumindest am Nachmittag Sport machen und mit anderen spielen. „Wir versuchen, ihnen auch ein paar praktische Dinge fürs Leben beizubringen“, sagt Frau Bashidi. „Viele wissen ja noch nicht einmal, wie man mit einem Stück Seife umgeht.“

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