„In der Partei absolut unpopulär"
Umstrittener Mandelson wird britischer EU-Kommissar

Gleich zwei Mal ist Peter Mandelson wegen Korruptionvorwürfen in Großbritannien als Minister zurückgetreten. Nun hat ihn sein langjähriger Weggefährte, Premierminister Tony Blair, zum neuen britischen EU-Kommissar bestimmt. Kritik kommt nicht nur von der Opposition.

HB LONDON. Der auch in seiner Partei umstrittene „Kumpel“ des Regierungschefs ist damit wohl das politische Stehaufmännchen des Jahres in Großbritannien. „Wir brauchen den Allerbesten, der Großbritannien in Europa vertritt“, lobte Blair am Freitag anlässlich der Nominierung seinen ehemaligen „Lieblingsminister“, der voraussichtlich am 1. November sein Amt in Brüssel antreten wird.

Der einst schillernde Labour-Star Mandelson, der gemeinsam mit Blair den Kurs von „New Labour“ mitbestimmt hatte, musste 2001 als Nordirland-Minister wegen Korruptionsverdachts zurücktreten. Damals ging es um die Frage, ob ein indischer Geschäftsmann einen britischen Pass im Gegenzug für eine großzügige Geldspende bekam. Gut zwei Jahre zuvor hatte Mandelsohn seinen Hut als Industrieminister genommen, nachdem er zugeben musste, von einem Parteifreund einen privaten Kredit in Höhe von mehreren hunderttausend Pfund für den Kauf eines Hauses angenommen zu haben. Seit dem Ausscheiden aus dem Kabinett fristete er sein Dasein als Hinterbänkler im Parlament.

Nun will Mandelson nach eigenen Worten in Brüssel sein „Bestes für die gewaltige Herausforderung“ geben. Aufgewertet wird seine neue Aufgabe außerdem dadurch, dass Großbritannien wegen der EU- Erweiterung nur noch einen statt bisher zwei Kommissare in das europäische Machtzentrum entsenden darf.

Sofort nach der Nominierung äußerten kritische Stimmen, ob sich der Regierungchef mit der Benennung des 50-jährigen vor dem Hintergrund der antieuropäischen Stimmung im Land und dem geplanten Referendum über die EU-Verfassung keinen Bärendienst erweist und der Vetternwirtschaft bezichtigt werden könnte. Für Chris Davies von den oppositionellen Liberaldemokraten spielt Blair mit der Nominierung Mandelsons „denjenigen in die Hände, die behaupten, dass die Europäische Kommission ein Zufluchtsort für gescheiterte Politiker ist“.

Auch der Labour-Abgeordnete Ian Davidson versteht die Entscheidung seines Regierungschefs nicht: „Es wird sicher als ein Beispiel für die Arroganz von New Labour angesehen, dass jemand eingeschaltet wird, der zwei Mal zurückgetreten ist, als Kumpel des Premierministers gilt und in der Labour-Partei absolut unpopulär ist.“ Der neue Kommissionspräsident José Manuel Barroso hat jedoch dem Premierminister nach Angaben aus Downing Street schon „eine positive Antwort“ auf die Nominierung gegeben.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%